Das Mädchen im Keller

DAS MÄDCHEN IM KELLER
von
Wayne Simmons
übersetzt von Michael Preissl

Sie leckte sich mit der Zunge über die Lippen und schmeckte Blut. Dabei sah sie den Mann an, der ihr gegenüberstand.

»Bitte«, flehte sie.

Der Mann war außer Atem und schwitzte wie ein Bulle. In seiner Hand hielt er ein Rasiermesser, mit dessen funkelnder Klinge er sich ihrem Gesicht näherte.

»Sag’s mir«, herrschte er. »SAG’S MIR!«

Nein, dachte sie. Nicht so. Bitte nicht so.

Sie kämpfte gegen die Seile an, mit denen sie ans Bett gefesselt war. Sie wollte ihre Knie anwinkeln, ein verzweifelter Versuch, der Klinge und den unaufhörlichen Worten des Mannes zu entkommen. Blut verdünnt mit Tränen lief ihr übers Kinn. Sie konnte es auch auf ihrer Brust spüren, vermischt mit Schweiß, Schmutz und Dreck, der sie seit Tagen (Wochen? Monaten?) in diesem schmutzigen Keller bedeckte.

Die Klinge kam ihrem Gesicht noch näher, sie presste fest ihre Lider zusammen.

»SAG’S MIR!«, wiederholte er nochmals.

 

Zuvor …

EINS

Kayley Sands beugte sich zur Flamme des Streichholzes und zündete sich damit ihre Zigarette an. Dann machte sie es aus, ließ es fallen und inhalierte tief. Mit ihrem Finger fuhr sie die Route der Buslinie 192, die der Manchester’s Picadilly folgte, auf dem Fahrplan entlang und überprüfte nochmals die Uhr auf ihrem Handy. Japp, jetzt sollte einer kommen. Eigentlich sogar drei.

Kayley seufzte, als sie die Gruppe Feiernder ansah, die sich um sie tummelte. Die meisten von ihnen waren auf demselben Gig wie sie gewesen – In This Moment in der Academy –, alle trugen die gleichen T-Shirts, um dies unter Beweis zu stellen. Ein paar von denen hatten etwas Fastfood dabei, das sie geräuschvoll und unappetitlich in sich hineinschaufelten und dabei Kayley immer wieder zur Seite drängten.

Es fing wieder an zu regnen. Alle bis auf Kayley huschten unter das Dach der Bushaltestelle. Sie sah die Regentropfen an, die auf ihren Ärmeln landeten und wie Öl über ihre Lederjacke perlten; dunkel, dickflüssig und schmutzig. Manchester war schon in guten Zeiten ein Drecksloch, aber wenn es regnete, schien der ganze Ort eine weitere Schicht abzubekommen.

Immer noch dröhnten ihr die Ohren vom Konzert. ITM hatten an diesem Abend eine Wahnsinns-Show abgeliefert. Maria Brink hatte das Ganze noch unterstrichen. Auf der Bühne hatte sie wie eine Vampirkönigin ausgesehen: Sie war von Kopf bis Fuß in PVC gekleidet gewesen; schwarze Tränen liefen dabei wie Tinte über ihr Gesicht. Die Vorgruppe war zwar etwas mies gewesen, aber was soll’s?

»Hast du Ersatz?«, fragte sie eine Stimme. Kayley sah auf, ihr Blick fing einen vielleicht 17-jährigen Kerl ein, der von seinen Kumpels hinter sich angefeuert wurde. Offensichtlich waren auch sie auf dem Konzert gewesen. Der Typ sah wie ein zweitklassiger Andy Biersack von Black Veil Bridges aus.

»Ersatz für was?«, wollte Kayley von ihm wissen.

»Eine Ersatzzigarette.« Er sprach mit Manchester-Dialekt, was zu seinem bleichen Leichengesicht und dem schwarzen Eyeliner einfach nicht passen wollte.

Kayley zog ein Päckchen Marlboro-Light aus ihrer Jackentasche und schüttelte es vor ihm. »Hab noch 15, aber keine davon ist Ersatz«, erklärte sie ihm.

Biersack lachte. Er wollte etwas darauf sagen, allerdings hatte Kayley ihm wieder den Rücken zugewandt.

»Verfluchte Lesbe«, hörte sie ihn schimpfen, als er zu seinen Kumpeln zurückging, die ihn auslachten und hin und her stießen.

Komm schon, Bus, fluchte sie. Wo verflucht noch mal steckst du?

Es wurde kälter, und sie war dabei, nüchtern zu werden. Schwänze wie Biersack und dessen Kumpel trugen nicht gerade viel Gutes zu ihrer Stimmung bei.

Sie sah wieder auf die Uhr. Suse war vermutlich schon zu Hause angekommen. Ihre Freundin lebte in Rusholme, auf der anderen Seite der Stadt. Bekannt für das Curry, sonst nichts. Nicht dass Levenshulme, dort wo Kayley lebte, viel besser war. Es war die Achselhöhle von Manchester, um die Wahrheit zu sagen. Aber dort zu wohnen, war billig, und für Kayley war es das Einzige, was zählte. Sie hatte nur noch ein Jahr auf der Uni, und sowohl ihr Einkommen als auch ihre Kreditkarte waren bereits vollkommen ausgereizt. Im Café hatten sie ihr die Arbeitsstunden gekürzt, weswegen sie sich jetzt über die Runden kämpfen musste. Die verfluchte Kommunalsteuer war auch fällig: Jeff, ihr Mitbewohner, wollte ihr bereits seit Tagen aushelfen, aber Kayley fehlte einfach das Geld, es ihm mal zurückzahlen zu können.

Sollten sich die Dinge nicht verbessern, müsste sie zu Hause anrufen und ihre Familie um weitere Unterstützung bitten.

Jesus, das wollte sie auf keinen Fall tun.

Sie erinnerte sich an die letzte Unterhaltung mit ihren Eltern, ein eiskalter Schauer lief ihr bei diesem Gedanken den Rücken runter.

»Und wie lebt es sich unter der großen Dunstglocke?«, fragte ihre Mutter mit ihrem nordirischen Akzent. Kayley verdrehte die Augen und tat sich wirklich schwer, die Verachtung in ihrer Stimme zu unterdrücken, während sie antwortete. Und dann bekam sie die wirklich wichtigen Dinge zu hören: Wer wen geheiratet hatte, wer gestorben war und wer ein Baby bekommen hatte. Mit einigen von ihnen war Kayley zur Schule gegangen; das Leben dieser Leute, die dortgeblieben waren und weiter die alte Kirche und die lokalen Shops besuchten, und die von kilometerweiten grünen Wiesen umgeben waren, blieb bis auf Geburten, Hochzeiten und Todesfälle dramafrei. Daran zu denken, war einfach nur erdrückend.

»Warte, ich hab deinen Vater für dich«, sagte ihre Mutter und Kayley wartete, bis ihre Mom die Hintertür erreicht hatte und nach dem alten Herrn rief, damit er hereinkam, um sich mit ihr in einer Weise zu unterhalten, bei der sie am liebsten das Telefon gegen die Wand geknallt hätte. Niemals hatte Kayley einen solch verflucht herablassenden Mann wie ihren Vater getroffen.

Sie nahm einen letzten Zug von ihrer Zigarette, ließ den Stummel auf den Bürgersteig fallen und zertrat ihn mit ihren Doc Martens.

Eine Schlägerei braute sich in der Mitte der Buswarteschlange zusammen, weshalb sich einige Leute entfernten. Zwei Typen waren dabei, aufeinander loszugehen, während ihre Freundinnen um sie herumwirbelten.

»Ich werde die Scheiße aus dir rausholen!«, herrschte der eine den anderen an, dabei plusterte er sich auf wie ein Erdmännchen.

Dann mischten sich deren Freundinnen schrill und kreischend ein.

Die eine: »Lass es sein, Cal. Er ist es nicht wert.«

Die andere: »Was soll das heißen, er ist es nicht wert? Tracey? Dein Cal hat damit angefangen! Beschissener Trottel! Sammy sollte ihm seinen verfluchten Schädel einschlagen, ein für alle Mal.«

Dann machte Sammy genau das, was das Erdmännchen bereits tat. Cal machte eine ganze Show daraus, er riss sich wie Scooby fucking Doo von Tracey los.

Der Bus kam und hielt an. Die Menge fing an zu jubeln, und die beiden Streithähne wurden von der in den Bus strömenden Menschenmenge verschluckt. Kayley drängte nach vorne und stieg in den Bus. Sie zeigte dem desinteressierten Fahrer ihr abgelaufenes Busticket und durchquerte auf der Suche nach einem Sitzplatz den Gang.

Ein paar asiatische Jungs lungerten in der Mitte des Busses herum, wo sie sich aufgeregt über einen Film unterhielten, den sie zusammen angesehen hatten. Hinter ihnen zankte ein betrunkenes Paar über etwas, das ihnen mit Sicherheit am nächsten Morgen wieder entfallen sein würde. Überall lagen Flaschen herum, und ein übler Gestank zog durch die Reihen. Doch Kayleys Lieblingsplatz war unbesetzt. In der letzten Reihe waren noch drei Plätze frei, die mehr als genügend Beinfreiheit boten.

Kayley sackte in den Sitz und ließ ihre Beine über dem Boden baumeln. Sie öffnete ihre Jacke, zog sie aus und hing sie über den Vordersitz.

Dann schaute sie aus dem Fenster, und das Erste, was sie einfing, war ihr eigenes Spiegelbild. Ihre Frisur war ein blankes Chaos. Selbst bei diesem schlechten Licht konnte sie den blonden Haaransatz erkennen. Ihr Blick wanderte nach draußen. Immer noch standen einige Leute in der Schlange. Kaum waren alle im Bus, fuhr dieser los. Biersack und seine Freunde waren auch da. Sie gingen an den Asiaten vorbei, stießen und schubsten sich gegenseitig und lachten dabei wie Hyänen. Die Asiaten waren immer noch laut, wie auch das Paar dahinter.

Kayley seufzte, sie fischte ihre Kopfhörer aus der Tasche und stöpselte sie in ihr Handy. Dann scrollte sie sich durch ihre iTunes-Musiksammlung bis an deren Ende, wo sich der Ordner »Old-School« befand: Marilyn Mansons Eat Me, Drink Me. Das war das von allen gehasste Album. Jedoch nicht für Kayley.

Sie streckte sich, rückte näher ans Fenster, schloss ihre Augen und widmete ihre ganze Aufmerksamkeit der Musik. Der alte Manson summte Heart-Shaped-Glasses, und bald darauf döste Kayley ein, die Musik und die Vibrationen hatten sie in den Schlaf gewogen.

Und sie fing an zu träumen.

In ihrem Traum befand sie sich wieder bei ihrer Familie in Fermanagh, wo sie auf einem Zaun saß, der die Felder und den Hof umgab. Sie war wieder jung, hatte blonde lange Haare, die ihr der Wind immer wieder ins Gesicht blies. Ihr Vater arbeitete an dem Gatter. Die Kühe rund um ihn sahen ihn auf ihre unbeschwerte Art und Weise an, mit der sie alles ansahen. Dies war eine gute Zeit. Kayley war glücklich, sie liebte ihren Vater auf die Art, wie kleine Mädchen das tun. Ihre Mum nannte sie immer burschikoses Mädchen, doch das kümmerte sie kaum. Sie folgte ihrem Daddy überall hin. Eines Tages sagte sie ihrem Vater, dass sie ihn heiraten wolle. Er schüttelte den Kopf, sein Gesicht wurde rot, und ihre Mutter fing an zu lachen und erklärte ihr, dass kleine Mädchen ihren Daddy nicht heiraten würden, sondern nur Jungs aus der Schule, wenn sie größer wären. Doch das gefiel der kleinen Kayley nicht. Ekelhaft, sagte sie und verzog dabei ihr Gesicht.

Sie erwachte und setzte sich auf.

Es war dunkel und still.

Kalt.

Sie befand sich nicht mehr im Bus.

Kayley fand eine Ecke und rutschte in diese. Verzweifelt versuchte sie, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Mit ihren Armen umschlang sie ihren Körper. Sie hatte keine Jacke, sie trug bloß ihre Weste und ihren Rock. Ihre Füße waren eisig, da sie keine Schuhe anhatte.

Sie wollte etwas sagen, schreien, doch nichts kam. Ihr Mund war ausgetrocknet und wund. Erneut versuchte sie, etwas hervorzubringen, jedoch kam nur ein Krächzen zwischen ihren Lippen hervor.

Und sie fing an zu weinen.

Kurz versuchte sie, sich wieder zu fangen und wischte sich über die Augen.

»Reiß dich zusammen«, mahnte sie sich.

Sie wiederholte es immer und immer wieder, irgendwie beruhigte sie der Klang ihrer eigenen Stimme. Mit ihren Händen tastete sie von der Ecke aus an der Wand entlang, las deren Oberfläche wie eine Blindenschrift. Es fühlte sich nach Ziegeln an, Zement mit Fugen dazwischen.

Wieder wollte sie etwas sagen. Ihre Stimme war zurückgekommen, und sie nutzte sie, um etwas zu rufen.

Irgendwo in der Nähe wurde eine Tür geöffnet. Schritte kamen von einer Treppe herab, ihr Blick fing den Schein einer Taschenlampe ein, von der sie angestrahlt wurde.

Dann eine Stimme: »Du bist ja wach.«

Kayley schirmte mit den Händen ihre Augen gegen das grelle Licht ab.

»Hallo?«, fragte sie.

»Ist okay«, sagte die Stimme. Sie klang männlich. Alt, aber nicht zu alt. Etwa in dem Alter ihres Vaters, englisch, nicht irisch. »Du bist in Sicherheit«, sagte er. »Es wird wieder alles in Ordnung kommen.«

»W… wo bin ich?«, fragte sie.

Er seufzte schwer. Sie konnte ihn immer noch nicht sehen, eigentlich konnte sie aufgrund des grellen Lichtes gar nichts sehen, aber hören konnte sie ihn, und sie wusste, dass er näher kam. Und dann berührte er sie, er strich ihr mit seiner Hand durch ihre Haare. Kayley wich von seiner Berührung zurück, zurück in die Ecke, in der sie zu weinen begann.

»Sssschhh«, sagte er. »Schon gut. Alles ist in Ordnung.«

Sie konnte hören, wie eine Flasche geöffnet wurde, ein stechender Geruch machte sich breit. Dann presste er seine Hand gegen ihre Nase und ihren Mund, und Kayley fühlte, wie ihre Augen zurückrollten, dann wurde sie bewusstlos.

 

ZWEI

Als sie diesmal erwachte, war es heller. Eine kleine Lampe stand auf einem Tisch neben ihr. Kayley lag auf einem Bett. Sie versuchte, sich zu bewegen, konnte es aber nicht. Als sie den Grund dafür auszumachen versuchte, erkannte sie, dass ihre Arme an den Bettpfosten angebunden waren.

Ihr verzweifelter Blick irrte hin und her.

War dies derselbe Raum wie zuvor?

Sie sah die Ziegel und war sich nun sicher, dass es so war.

Das Zimmer war spärlich eingerichtet. Ein Waschbecken befand sich in einer Ecke, ein Schrank mit Schubladen stand an der gegenüberliegenden Wand. Eine Treppe führte weiß Gott wohin.

»Hey!«, rief sie.

Dann trat sie mit ihren Beinen gegen das Bett, versuchte sich irgendwie gegen die Fesseln zu wehren, erfolglos.

»Hör auf damit«, erklang eine Stimme hinter ihr. Deren Besitzer rückte ins Sichtfeld. Er sah vertraut und gleichzeitig kaum beschreibbar aus: mittelgroß, normale Statur, ausdrucksloses Gesicht.

»Bitte«, flehte Kayley ihn an. »Bitte, binden Sie mich los. Bitte!«

»Warum?«, fragte er. »Im Bett ist es doch viel bequemer.«

Es war derselbe Mann wie zuvor. Sie war sich ziemlich sicher. Derjenige, der sie auch aufgeweckt hatte. Der Mann, der sie berührt und mit seiner Hand durch ihr Haar gestrichen hatte. Der Mann, der ihr Drogen verabreicht hatte.

»Warum tun Sie das? Bitte, lassen Sie mich gehen. Ich werde niemandem etwas sagen. Bitte!«

»Musst du auf die Toilette?«, fragte er sie.

»Lassen Sie mich einfach nur gehen!«, heulte sie und strampelte mit ihren Beinen. »LASSEN SIE MICH FREI!«

Mit beiden Händen hielt er sich die Ohren zu und zuckte bei ihren schrillen Tönen zusammen. Dann wurde er wütend und schlug ihr ins Gesicht.

Kayley schrie auf, sie winkelte ihre Knie an und versuchte, sie als Schild gegen weitere Schläge einzusetzen.

Aber er hatte sich wieder beruhigt.

»Du hast Angst«, sagte er. »Doch das brauchst du nicht. Ich möchte nur das Beste für dich.«

Sie wollte wieder gegen ihn ankämpfen, als sie jedoch in sein Gesicht sah, überlegte sie es sich anders.

Er schnippte mit seinen Fingern. »Die Toilette«, sagte er, als er sich wieder an seinen vorherigen Satz erinnerte. »Möchtest du auf die Toilette?«

»J… ja«, sagte sie. »Aber meine Hände …« Kayley zerrte an ihren Fesseln, so als ob sie ihm zeigen wollte, wie wenig Bewegungsfreiheit sie hatte, und dass sie nicht in der Lage war, zum Klo zu gehen.

»Das ist in Ordnung. Ich kann dir dabei helfen.«

Sie wartete darauf, dass er ihr die Fesseln abnahm, aber stattdessen durchschritt er das Zimmer, öffnete einen Schrank und griff hinein. Er fand, wonach er suchte, und nahm es heraus. Eine Plastikschüssel.

Oh Gott, dachte Kayley.

Mit der Schüssel kam er zum Bett zurück und stellte diese am oberen Ende ab. Er half Kayley auf die Knie und spreizte behutsam ihre Beine über dem Plastikbehälter. »Ich habe dir dein Höschen ausgezogen«, erklärte er ihr mit einer leisen, fast respektvollen Stimme. »Jetzt kannst du, du weißt schon, was immer du tun musst.«

Kayley sah ihn ungläubig an.

»Ach, richtig«, sagte er. »Tut mir leid.« Er wandte ihr den Rücken zu und wartete.

Kayleys Augen füllten sich mit Tränen, als der erste Urinstrahl so geräuschvoll auf das Gefäß traf wie Regen gegen ein Fenster. Dann fing sie an zu weinen, und je mehr sie weinte, desto schneller strömte es.

Als sie fertig war, wandte sich der Mann ihr wieder zu. Er durchsuchte seine Taschen und fand ein Taschentuch. Kayley glaubte, dass er ihr damit das Gesicht abwischen wollte, doch er säuberte sie damit zwischen ihren Beinen, sanft, aber bestimmt. Dann lächelte er, als er es in seiner Hand zerknüllte und in die Schüssel fallen ließ. »Geht’s jetzt besser?«

Kayley konnte es nicht mehr ertragen, ihn länger ansehen zu müssen.

»Gut«, sagte er. »Ich werde zweimal am Tag die Schüssel vorbeibringen. Und sollte es nötig sein, dann kann ich auch aus dem Zimmer gehen, während du …« er machte eine kurze Pause, räusperte sich und sprach weiter, »dein Geschäft erledigst.«

Er ging zum Waschbecken, wo er die Schüssel reinigte, bevor er sie wieder im Schrank verstaute.

Dann kehrte er mit etwas anderem zum Bett zurück und blickte sie besorgt an.

»Du siehst müde aus«, sagte er. »Vielleicht brauchst du etwas Schlaf.«

In seiner Hand befand sich eine Flasche. Er schüttelte sie, während er nachdachte. »Ich kann dir etwas geben«, erklärte er ihr. »Etwas, was dich zur Ruhe bringen kann. Allerdings ist es nicht gut für dich. Mal sehen, ob du es auf eigene Faust schaffst.«

Er stellte die Flasche an ihrem Platz ab, dann kam er wieder zum Bett zurück, wo er ihr dabei half, sich hinzulegen.

Danach küsste er sie auf die Wange und verabschiedete sich: »Gute Nacht.«

Die Lampe war nun ausgeschaltet, und Dunkelheit machte sich im Raum breit.

 

DREI

Für Kayley war die Dunkelheit wie eine leere Leinwand. Sie versuchte, sich an die Ereignisse der vergangenen Nacht zu erinnern, oder an die der Nacht davor, oder an irgendeinen Zeitpunkt, an dem sie noch nicht hier gewesen war. Sie dachte an das ITM-Konzert. An Maria Brink mit ihren wasserstoffblonden Haaren und den pechschwarzen Tränen im Gesicht. Sie erinnerte sich an die Schlange an der 192’er Bushaltestelle. Biersack fiel ihr ein, und die beiden Schlägertypen. Der Bus wurde voller, sie hatte ihre Kopfhörer hervorgeholt und ihre Augen geschlossen.

So war’s. Sie war eingeschlafen. Und dann hat dieser Bastard, wer auch immer es war, sie unter Drogen gesetzt und … gekidnappt?

Jesus. Das war es, was passiert war, richtig? Sie wurde entführt und ans Bett gefesselt, und jetzt befand sie sich in etwas, das wie ein Keller aussah. Das war nicht ihr Leben. Das war von niemandem das verdammte Leben. Dies war die Art von Scheiße, die man aus Krimis und Filmen kennt; Saw oder Hostel, die Art von Zeug, die sich ihr Bruder mit seinen dämlichen Freunden immer ansah.

Ihr Bruder.

Sie hatte Familie. Diese würde sie vermissen und die Polizei verständigen, weil sie nichts mehr von ihr hörten. Klar, sie sah sie nicht sehr häufig, eigentlich nur alle paar Tage, und aus den wöchentlichen Anrufen waren monatliche geworden; manchmal waren es auch keine Anrufe, sondern nur SMS oder E-Mails; doch sie sorgten sich sicher um sie, wenn sie von ihr gar nichts zu hören bekamen, nicht wahr? Und ihre Freunde, die Leute von der Uni oder dem Café, die wären doch auch besorgt. Suse würde ihr sicherlich eine SMS schicken und fragen, ob sie nach dem Konzert gut heimgekommen sei. Das tat sie immer, wenn sie zusammen ausgegangen waren. Und sollte Kayley nicht antworten, würde Suse sofort klar sein, dass etwas passiert war. Das wusste sie einfach.

Oder?

Und so ging es weiter; Kayley starrte in die Schwärze, ging geistig alles nochmals durch und versuchte, die unsichtbaren Punkte mit unsichtbaren Linien zu verbinden. Sie weinte, dachte über ihre hoffnungslose Situation nach, und dann versuchte sie sich wieder einmal einzureden, dass alles wieder in Ordnung kommen würde, dass dieser Mann sie gehen lassen oder irgendjemand sie finden würde, oder dass diese ganze Scheiße nur ein grausamer Scherz war; entweder ein aufwendiger Streich oder eine neue Reality TV-Show.

Scheiß drauf, sagte sie sich schließlich. Ich kann nicht einfach hier herumliegen und mich in Selbstmitleid suhlen.

Sie musste sich konzentrieren. Sie musste irgendeine Art Fluchtplan schmieden, versuchen –

Schritte von oben, direkt über ihr. Dann eine Stimme. Und eine weitere.

Da waren Leute über ihr!

Kayley fing wieder an zu schreien. Sie versuchte, ihre Hände loszubekommen, trat mit ihren Beinen gegen das Bett, versuchte, so viel Lärm wie möglich zu machen. Doch die Stimmen waren lauter, ihre Geräusche wurden übertönt. Und dann fingen sie an zu lachen.

»Hört auf zu lachen!«, schrie sie. »Hört … verdammt nochmal … auf zu lachen!«

Ihre Stimme wurde immer lauter, das Gelächter ausgelassener.

Musik kam dazu. Etwas Altes mit einem schleppenden Beat und einem schweren Bass, worauf die ganze Decke zu beben begann.

Kayley hörte auf zu schreien und lag nun still da. Sie versuchte die Tränen wegzuschniefen, diese liefen ihr die Kehle hinab, dick, schwer und salzig. Ein leises Stöhnen entwich ihrem Mund.

Komm schon, Kayley, sagte sie zu sich selbst. Wie eine weinerliche Schlampe herumzuheulen, das bist doch nicht du, Mädchen. Denk nach! Darin bist du gut. Du bist clever.

Daraufhin starrte sie wieder in die Dunkelheit, versuchte nachzudenken. Und während sie das tat, hörte sie die Musik, ihre Gedanken fingen an zu kreisen. Der Song war bekannt. Ihr Vater hatte ihn manchmal im Auto gespielt, als sie noch jünger war. Dad-Rock, hatte sie es immer genannt, und ihre Mum hatte deswegen immer zu lachen begonnen und ihren Dad gestupst, woraufhin er zusammengezuckt war, allerdings nichts darauf gesagt hatte.

Dad-Rock.

Sie konnte ihren Vater jetzt sehen, er stand in der Küchentür auf der Farm, dabei sah er sich die Nachrichten im Fernsehen an. Er war zu beschäftigt, um sich zu setzen, er war immer in Bewegung. Seine Gummistiefel waren wie immer voller Schlamm. Ihre Mum sagte nichts, sie murmelte nur etwas Wirres, wegen dem Schmutz auf dem Küchenboden, wurde von ihm aber ignoriert, wie er das mit allen machte, wenn er auf den Fernseher starrte.

Dies brach das Mädchen. Sie war wieder ein Kind, ein kleines Mädchen mit blonden Haaren, das ihrem Vater immer auf die Felder gefolgt war.

»Daddy, hilf mir«, weinte sie. »Hilf mir!«

»Wist«, sagte er, während sein Blick immer noch auf die Nachrichten gerichtet war. Kayley war nie wirklich klar, was er mit Wist gemeint hatte. War es Englisch? Irisch? Etwas, das nur Männern wie ihm bekannt war; Männern, die auf Feldern arbeiteten; Männern, deren Leben durch die Nachrichten, dem Wetter und der Farm geregelt wurde.

»Aber sieh doch, Daddy«, platzte sie heraus, während sie mit ihren Händen fuchtelte. Das Seil war straff um ihre Handgelenke gewickelt, die Haut fing an, sich aufzureiben, sie spürte es. »Ich komm nicht los. Bitte, Daddy, sag mir, was ich tun soll.«

Ihr Vater wandte sich um und blickte auf das Seil, das um ihre Handgelenke gewickelt war, und welches sie am Bett festhielt. Er spitzte die Lippen und blies etwas Luft aus. »Das ist straff, alles klar. Ist ein gutes Seil, nicht dieses billige Zeug. Das erfordert schon etwas Arbeit.«

»Im Schuppen, Daddy. Dort ist doch Werkzeug, das mir behilflich sein könnte. Ich habe es dort gesehen. Das Stanley-Messer oder der Cutter oder –«

»Wist«, sagte er wieder, dabei erhob er seine Hand. Die lokalen Nachrichten waren gerade zu sehen. Das war seine Lieblingssendung. Kayley sah sich den Bericht an. Vielleicht wurde sie erwähnt. Vielleicht war er deswegen so scharf darauf, es zu hören: Ortsansässiges Mädchen wird in Manchester vermisst.

Doch es wurde nichts über sie berichtet, rein gar nichts.

Ihr Vater schüttelte den Kopf.

»Deine eigene Schuld«, sagte er zu ihr, während er den Fernseher ausschaltete. »Hättest dort nicht hingehen sollen, habe ich es dir nicht gesagt?«

»Daddy, bitte!«, protestiere Kayley. »Sag so etwas nicht. Hilf mir!«

»Verfluchtes Manchester«, spottete er. »Ich hätte so viel Arbeit für dich hier auf der Farm. Bücher und Computer: Darin bist du doch gut, nicht wahr?« Er neigte den Kopf. »Das könnte uns hier draußen wirklich behilflich sein. Doch du wusstest es ja besser, nicht wahr? Und nun sieh dich an.«

Und mit diesen Worten ließ er Kayley in der Dunkelheit zurück, sie hörte die Musik und die Stimmen und versuchte dabei, ihre eigene zu hören.

***

Sie erwachte, ohne bemerkt zu haben, dass sie eingeschlafen war. Immer noch war es dunkel, allerdings waren die Stimmen und die Musik nicht mehr zu hören.

Doch etwas war falsch.

Sie war nicht alleine. Etwas war bei ihr, vielleicht sogar neben ihrem Bett. Sie konnte es atmen hören. Sie wollte sich etwas entfernen, konnte es jedoch nicht. Der Atem war nun direkt gegenüber ihrem Gesicht. Ein vertrauter Geruch: Schweiß, Schlamm und billiges Rasierwasser. Und dann fühlte sie Hände auf sich; tastend, suchend, sie glitten unter den Bund ihres Rockes.

Kayley schloss ihre Augen und fing an zu weinen.

Wist, sagte eine Stimme.

Sie riss ihre Augen auf, die Dunkelheit war weg, eine Lampe war eingeschaltet. Sie lag immer noch auf dem Bett, immer noch gefesselt. Sie atmete schnell, ihr Herz pochte in ihrer Brust.

Der Mann saß an der Bettkante, so als ob er auf etwas wartete. Er lächelte, als sie ihn ansah, die Schüssel lag auf seinem Schoß.

»Musst du auf die Toilette?«, fragte er.

 

VIER

Weitere Zeit war verstrichen. Sie wusste nicht, wie lange sie schon hier war, gefesselt an diesem Bett, in diesem Zimmer mit der flackernden Lampe und dem Mann, der ihr Wasser, Essen oder einfach nur die beschissene Schüssel brachte.

Die Dunkelheit gab kaum Hinweise.

Manchmal öffnete der Mann einfach nur die Tür und kam herunter, um etwas zu tun, was mit ihr gar nichts zu tun hatte. Obwohl er dabei eine Taschenlampe bei sich hatte, schaltete er diese nicht ein. Wenn sie nach ihm rief, ignorierte er sie einfach. Er ging gezielt zu der anderen andere Seite des Raumes, um dort etwas zu finden, was er über den Boden zog; etwas aus Metall, das ein kratzendes Geräusch verursachte. Dann stemmte er es auf seine Schultern und ging damit langsam die Treppen hoch.

Einmal, als er das tat, bat Kayley ihn aufdringlich um eine Zigarette. Und Gott weiß, wie aufdringlich das war.

Er blieb stehen, blendete sie mit dem Schein der Taschenlampe und lachte.

»Eine Zigarette«, spottete er. »Und wenn ich dir eine gebe, was dann? Möchtest du danach Drogen?«

»Nein«, sagte Kaylay. »Ich möchte doch nur eine beschissene Zigarette.«

»Hier gibt es keine Zigaretten«, sagte er mit zittriger Stimme. »Und es gibt hier auch keine Drogen oder Alkohol. Und auch nichts von dem Zeug, mit dem du dir deine Haare färbst. Oder Tätowierungen. Oder dieses Metallzeug, was dir in den Lippen steckt. Du hast dich ruiniert, Kayley Sands. Und das wird jetzt aufhören. Verstehst du mich?«

Sie verstand ihn. Es war das erste Mal, dass er ihren Namen ausgesprochen hatte, und diesen hatte sie laut und deutlich verstanden.

Die Taschenlampe ging aus, und er verschwand.

»Warten Sie«, sagte sie.

»Soll ich dir etwas zum Einschlafen geben?«, warnte er sie. »Ist es das?«

»Nein.« Der Bastard deutete indirekt die verdammte Flasche und das Gefummel danach an. Kayley würgte schon bei dem Gedanken an den Geschmack und den Geruch von dem Zeug. »Nein, ist schon okay.«

Und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Die Stimmen, das Gelächter und die Musik im Obergeschoss kamen und gingen ohne erkennbares Muster. Dieses eine Mal stellte sich Kayley vor, dass sie bei ihnen war, und Suse war neben ihr. Suse zündete sich einen Joint an und überreichte ihr diesen, sie verdrehte ihre Augen, als Kayley ihn ablehnte. Eine Band auf der Bühne spielte Dad-Rock; Queen oder etwas ähnlich Grauenhaftes. Doch Suse sang die ganze Zeit lang mit geschlossenen Augen mit, von ihrer Hand stieg Rauch empor.

»Warum hast du mir keine SMS geschickt?«, wollte Kayley von ihr wissen. »Du schickst mir doch sonst auch immer eine, wenn wir ausgehen. Komm schon, Suse, das ist eine unserer Regeln! Schon seit der High-School passen wir aufeinander auf.«

Suse blies Rauch aus, ihre Augen verengten sich. »Wer sagt, dass ich dir nicht geschrieben habe?«

»Bullshit! Ich bin nicht mehr zurückgekommen«, argumentierte Kayley. »Und du hättest dir Sorgen machen und versuchen sollen, mich zu erreichen, und danach hättest du jemanden anderen anrufen sollen. Die Cops vielleicht, und denen hättest du erklären müssen, dass du dir Sorgen um mich machst, da du mich nicht erreichen kannst und …«

Kayley stockte der Atem. Es hatte sich alles erneut vor ihr abgespielt; das, was passiert sein könnte; das, was nun passierte.

»Babe, ich habe dir geschrieben«, betonte Suse. »Ich schwör’s dir.«

»Tja, wo bist du dann?«, brüllte Kayley und schlug mit der Hand auf den Tisch. »Komm schon, Suse! Ich bin hier alleine, ja?« Sie spürte, dass ihre Augen feucht wurden. »Ganz alleine«, sagte sie nochmals.

Dann dachte sie eine Sekunde lang nach.

Niemand ist gekommen. Keine Cops, keine Suse. Niemand.

Diese Realität verschwand, und Kayley starrte wieder in die Dunkelheit und fragte sich zum ersten Mal, ob es irgendeinen Weg gäbe, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Er sollte sie nicht mehr berühren können, sie nicht irremachen, und seine beschissenen Pläne sollten ja nicht aufgehen.

Was wollte er eigentlich?

Bisher hatte er sie eigentlich nur gefesselt, ihr etwas zu essen und zu trinken gegeben und einige andere Dinge für sie getan.

Was stellte er wohl mit ihr an, während sie schlief? Darüber wollte sie erst gar nicht nachdenken. Sie würde es doch bemerken, wenn er etwas tat. Kayley hatte schon immer einen leichten Schlaf, seit sie …

Ihre Gedanken reisten zurück in ihre Kindheit. Sie erinnerte sich an einen Arzt. Sie lag nackt auf einem Bett, der Doktor untersuchte sie. Kayley erinnerte sich an die unangenehmen Gefühle, doch auch eine Krankenschwester war da, und diese hielt Kayleys Hand.

»Ist schon gut, Liebes«, sagte sie. »Alles in Ordnung.«

Und dann war der Arzt fertig, und die Krankenschwester half ihr in die Kleider.

Als sie fertig angezogen war, setzte sich Kayley vor seinen Schreibtisch, und er lächelte sie an. Er war ein älterer Mann mit einem freundlichen Gesicht und einer Brille, die zu groß für ihn schien.

»Nun möchte ich dich bitten, dass du nachdenkst, wenn ich dich das frage, Kayley«, erklärte er ihr, dann sah er zur Krankenschwester. »Hat dich schon jemals wer … auf irgendeine Art und Weise berührt, und zwar so berührt, dass es sich … unangenehm anfühlte?«

Kayley sah zu der nickenden Krankenschwester. »Sag es ihm ruhig, Liebes. Erzähl es dem Doktor.«

»Sie waren es«, sagte Kayley zu ihm. »Genau hier. Sie haben mich angefasst, und das gefiel mir nicht.«

Rasch wanderte der Blick des Arztes zur Schwester, und er fing an zu lächeln. Es lag eine gewisse Anspannung in der Luft, die sogar die kleine blonde Kayley mit ihren sieben Jahren erfassen konnte.

»Und wer noch?«, setzte der Doktor nach. »Denk nach, Kayley. Das ist wichtig.«

Kayley dachte wirklich intensiv nach, und ein Bild kam ihr in den Sinn: Sie lag im Bett, und ein Schatten stand im Türrahmen.

»Der schwarze Mann«, meinte sie.

Der Arzt runzelte seine Stirn.

»Wer ist der schwarze Mann, Schätzchen?«, fragte sie die Schwester. »Hat er einen Namen? Kannst du ihn für uns beschreiben?«

Kayley sah zum Arzt. Er hob seine Augenbrauen und tat sich schwer damit, sich nicht anmerken zu lassen, dass er sie nicht ernst nahm. Das tat er auch nicht, so wie niemand das tat. Ihr Vater hatte ihr auch gesagt, dass der schwarze Mann nicht real sei und sich alles nur in ihrer Fantasie abspiele, doch Kayley wusste, dass er echt war; er war in der Nacht an ihr Bett gekommen, und er hatte sie auf die gleiche Weise berührt wie der Arzt, was ihr auch nicht gefallen hatte.

»Ich möchte jetzt nach Hause«, sagte sie zu dem Arzt. Ihre Augen waren mit Tränen gefüllt. »Ich möchte zu meiner Mama.«

Ihre Mutter wartete am Empfang, es bestand kein Zweifel daran, dass diese ein neues Spielzeug für das kleine Mädchen mit den blonden Haaren in ihrer Handtasche hatte, weil es sehr tapfer gewesen war.

Sie schritten Hand in Hand über den Parkplatz. Dad wartete im Auto und hörte Radio. Er hatte den abwesenden Ausdruck im Gesicht, den er bei fast jedem dieser Anlässe hatte: Zahnarztbesuche, Arztbesuche, Schultheateraufführungen, Sportveranstaltungen; eigentlich bei allem, was ihn von seiner Farm fernhielt.

»Alles klar?«, fragte er, als sie einstiegen.

»Ja«, antwortete ihre Mum. »Sie haben ihr nur etwas gegeben, das ihr beim Einschlafen helfen soll, und etwas damit sie wieder munterer wird. Sie haben ihr Herz überprüft und all das, jedoch keine Auffälligkeiten gefunden.«

»Ich weiß nicht, warum du sie hierhergebracht hast. Sie hat doch keine Probleme.«

»Sam, da stimmt etwas nicht«, erklärte sie ihm im Flüsterton, doch von der Rückbank konnte Kayley sie immer noch hören. »Sie hat schon seit Tagen nichts mehr gegessen. Sie wird von Albträumen geplagt, möchte mit dir nicht mehr aufs Feld gehen, sagt, da seien Monster und Geister da draußen. Etwas stimmt nicht mit ihr.«

»Das spielt sich alles nur in ihrem Kopf ab«, entgegnete ihr Vater.

Doch später, so erinnerte sich Kayley, hatte er sie in den Schuppen mitgenommen. Er war wütend und aufgebracht. »Kein weiteres Wort mehr«, sagte er zu ihr. »Nicht zu deiner Mum, zu keinem Arzt und zu keinem Lehrer. Zu niemandem. Verstehst du?«

»Ja, Daddy.«

»Ich meine es ernst, Kayley.«

»Ich weiß, Daddy. Tut mir leid, Daddy.«

Die Erinnerungen verdunkelten sich wieder. Kayley war nicht klar, was es war, was es zu bedeuten hatte und woher es kam.

War es real? Passierte dies tatsächlich?

Oder handelte es sich nur um eine verzerrte Wahrnehmung?

Kayley schloss ihre Augen, wartete darauf, dass es verschwand, sich zurück in ihr Unterbewusstsein verkroch, dorthin, wo es hergekommen war. Weil es hier weiß Gott andere Scheiße gab, mit der es umzugehen galt.

Ein plötzliches Gefühl von Klaustrophobie überfiel sie. Kayley zerrte an den Seilen an ihren Armen und trat mit den Beinen. Sie schrie und jammerte, und sie versuchte, möglichst viel Krach zu machen. Aber die Ficker über ihr gaben einen Scheiß auf den Lärm, den sie machte. Sie machten selbst genug Radau. Sie redeten, lachten und spielten den beschissenen Dad-Rock. Wenn sie davon genug hatten, verschwanden sie und ließen sie wieder alleine zurück.

Kayley schwieg und starrte ins Leere.

Der Mann tauchte wieder auf, schaltete das Licht ein.

»Musst du auf die Toilette?«, fragte er sie mit seiner emotionslosen Stimme.

Kayley presste ihre Lider zusammen, so fest sie konnte, und musste gegen einen Frustschrei ankämpfen. Sie wusste nicht, wie viel sie von dem Ganzen noch in Kauf nehmen konnte. Wieder sehnte sie sich ihren Tod herbei, wünschte sich, dass sie es irgendwie selbst schaffen konnte.

Und dann ging ihr Handy.

 

FÜNF

Kayley kämpfte sich auf ihre Knie, ihr Blick war auf den Mann gerichtet.

»Mein Telefon«, sagte sie. »Das ist mein Telefon.«

»Ja«, gab er zu. »Das ist dein Telefon.«

»Wo ist es?«, fragte sie, ihre Augen durchsuchten den Raum. Im Schrank bei der Schüssel? Liegt es auf den Stufen? Es schien von überall her zu kommen.

Der Mann seufzte, er griff in seine Tasche und hielt es hoch, damit sie es sehen konnte.

»Wer ist es?«, fragte Kayley ihn. Ihr Mund war plötzlich trocken, ihre Stimme krächzte. »Wer ruft da an?«

Der Mann drehte das Telefon richtig, damit er auf das Display sehen konnte. »Suse«, sagte er.

»Heben Sie ab«, verlangte Kayley.

Der Mann lachte. »Nein, das werde ich nicht tun, denke ich.«

»Die Leute fangen an, mich zu vermissen«, erklärte Kayley ihm. »Sie machen sich bereits Sorgen. Sie müssen mich gehen lassen, oder sie werden mich suchen.«

»Niemand vermisst dich.«

Das Telefon hörte auf zu läuten. Der Mann sah es an und zuckte mit den Schultern.

»Fick dich!«, sagte Kayley. »Sie wissen gar nichts über mich, oder wer da draußen nach mir sucht.«

Wieder lachte er. »Glaubst du das, ja? Ich weiß eine ganze Menge über dich, Kayley Sands.« Er schüttelte das Telefon in seiner Hand. »Mit diesen Dingern findet man eine Menge über jemanden heraus.«

Das Telefon vibrierte in seiner Hand, bevor es einen Signalton von sich gab.

»Das ist eine SMS«, erklärte ihm Kayley.

»Ich weiß, dass das eine SMS ist«, sagte er.

»Was steht da?«, fragte sie.

Der Mann verdrehte seine Augen und sah es widerwillig an. »Da steht: Woho steckst? Sie schreibt ›Wo‹ mit ›ho‹, und sie schreibt nicht einmal ›du‹ dazu. Verdammt typisch für Suse. Ärgert dich das denn nicht, wenn sie das tut?«

Kayley fühlte, wie ihr Herz zu rasen begann. Wie viele SMS hatte er bereits von Suse gelesen?

»Lass uns ihr etwas zurückschreiben«, sagte er, ein spitzbübisches Funkeln war in seinen Augen zu sehen. »Wir wollen doch nicht, dass sie sich Sorgen macht.«

Kayley kämpfte wieder gegen die Fesseln an und rutschte auf ihren Knien hin und her. »Nein«, sagte sie. »Bitte, lassen Sie es.«

»Alles in Ordnung, Babe, sprach der Mann, während er tippte. Hab nur jemanden getroffen. Werde dir später zurückschreiben und dir alles erzählen. Er sah auf und zwinkerte Kayley verschwörerisch zu. »Und das wirst du auch«, sagte er. Dann las er alles nochmals, bevor er zustimmend nickte. »Ach, warte, du beendest doch deine SMS immer mit einem Kuss, hab ich recht?« Er tippte wieder und veränderte die Nachricht. »So. Abgeschickt.«

»Sie sind krank«, sagte Kayley. Wut keimte in ihr auf. »Ein beschissener Psychopath, das ist es, was Sie sind. Bekommen wohl keine Freundin ab, was?«

»Was?«, fragte er, er wirkte wirklich verblüfft. »Natürlich bekomm ich eine Freundin. Darum geht es hier doch überhaupt nicht.«

»Na, kommen Sie, was dann?«, spie Kayley. Ihre Fesseln spannten sich, als sie sich aufsetzte, als ob sie auf dem Sprung wäre. »Binden Sie mich los, dann sehen Sie, wie beschissen krank –«

Er stieß vor und schlug ihr hart ins Gesicht. Dann packte er sie am Kinn und zog ihr Gesicht ganz dicht an das seine.

Doch der Dreckskerl jagte Kayley keine Angst ein. Sie schmeckte Blut auf ihren Lippen. Sie leckte es ab. Dann starrte sie den Mann an.

Seine Augen waren rot, wässrig, und er fing an zu blinzeln. Schweiß lief über seine Stirn.

»Kein weiteres Wort mehr«, hauchte er, dann ließ er sie los.

Danach ging er eine Weile auf und ab, mit dem Telefon in seiner Hand, dabei strich er sich immer wieder durch seine Haare.

»Du möchtest das wirklich tun, nicht wahr?«, fragte er. »Es stimmt, was sie über Kinder gesagt haben: Sie sind süchtig nach der Technik, können ohne diese verdammten Dinger nicht mehr leben. Ihr ganzes Leben ist in dieser kleinen Box gespeichert, und jeder kann es sehen. Hat schon jemals wer darüber nachgedacht? Jeden Text, den man schreibt. Alle E-Mails, Passwörter. Digitale Fingerabdrücke nennen sie es. Alles ist online.« Er beugte sich wieder zu ihr. »Also gut, das weiß ich über dich, Kayley Sands. Ich weiß, dass du deine Miete mittels Lastschrift begleichst. Ich weiß, dass du fast pleite bist, aber das ist okay. Ich habe eine kleine Überweisung getätigt. Die sollte dich eine Weile über Wasser halten, und du solltest damit deine Rechnungen bezahlen können.« Er lächelte finster. »Und für all deine Freunde: Facebook ist in hellster Aufregung über den neuen Mann in deinem Leben. Ich hab sogar ein Foto aufgenommen. Willst du es sehen?«

Kayley fing an zu lachen. Sie konnte es nicht verhindern. Entweder das oder weinen. Gott weiß, sie hatte bereits genug durchgemacht.

Das machte den Mann wütend. Seine Miene verfinsterte sich. Er ließ das Telefon auf den Tisch fallen und starrte sie voller Verachtung an. Plötzlich sprang er auf das Bett, drückte sein Gesicht gegen das ihre, seine Atmung war schwer und angespannt.

Hastig fummelte er an seinem Gürtel herum.

Kayley kniff ihre Augen zu. Sie versuchte sich zu bewegen, irgendwie zu entkommen, konnte es aber nicht. Sie versuchte ihre Beine, so fest es ging, zusammenzudrücken, doch er hatte ein Knie dazwischen geklemmt, was sie auseinanderhielt.

Er stöhnte ihr ins Ohr. Dann war da ein schlurfendes Geräusch, als er sich einen Moment bearbeitete, und Kayley erwartete jeden Augenblick, seinen warmen, feuchten und steifen Penis zwischen ihren Oberschenkeln zu spüren.

Nein, dachte sie. Nicht so. Nein!

Eine plötzliche Erinnerung kam ihr ins Gedächtnis. Kayley war allein in der Dunkelheit, so wie sie es jetzt war. In ihrem Bett, einem anderen Bett, dem in Irland. Und da war das gleiche schlurfende Geräusch, es klickte eine Gürtelschnalle, ein Stöhnen an ihrem Ohr.

»Nein!«, schrie sie, öffnete ihre Augen und sah dem Mann mitten ins Gesicht. »NEEEEEEIIIIIN!«

Er schrie auf, bevor er von ihr abrückte. Dann setzte er sich an das Bettende, wirkte entsetzt, dann verlegen und sich seiner sehr bewusst. Kayley konnte seinen Penis aus dem Hosenschlitz baumeln sehen, klein, glänzend und schlaff. Er fummelte wieder an seinem Gürtel und zog sich den Reißverschluss zu.

»Was schaust du so?«, spie er aus. »Das ist deine Schuld! Diese Tattoos, das Ding an deiner Lippe. Du bist ekelhaft! Kein Wunder, dass ich nicht …« Seine Worte verstummten. Er schüttelte den Kopf. »Nein«, sagte er, er atmete immer noch schwer. »Das … das ist nicht … Nein.«

Er wandte sich von ihr ab, saß immer noch auf der Bettkante, seine Knie angewinkelt, seine Arme umschlangen sie.

Kayley schloss ihre Beine und entfernte sich von ihm, soweit es ihr möglich war. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust.

Das Telefon vibrierte auf dem Tisch, und sie fuhr hoch. Eine weitere SMS. Suses Antwort. Kayley sah das Handy an, sagte aber nichts.

Der Mann stand auf, schnappte sich das Handy, sah sie mit traurigem und beschämtem Blick an.

Kayley fühlte sich jetzt wie ein wildes Tier. Sie richtete sich wieder auf ihre Knie, ihre Fesseln spannten sich.

»Was wollen Sie?!«, brüllte sie. »Was verflucht nochmal wollen Sie?!«

»Ich will dich«, brüllte er sie an. »Aber nicht die Gebrochene, Verdrehte, zu der du dich selbst gemacht hast. Ich möchte dein wahres Ich. Ich möchte dich heilen.« Ruhiger jetzt, strich er mit seiner Hand über ihre Haut. »So weich. So makellos. Und dennoch verschwendest du sie. Du vernarbst sie, du färbst sie, und du stichst Nadeln durch sie hindurch. Ich möchte dich den Wert deiner Haut lehren, Kayley. Ich möchte dir beibringen, sie mit dem Respekt zu behandeln, den sie verdient.«

»Scheiße«, spuckte Kayley.

Doch diesmal blieb er ruhig. »Morgen«, sagte er. »Morgen werden wir es erneut probieren. Morgen werden wir es richtig machen.«

 

SECHS

»Was meinen Sie damit?«, fragte ihn Kayley. »Was fangen wir morgen an?«

Er stand auf und wedelte mit seiner Hand, sagte aber nichts darauf.

»SAGEN SIE ES MIR!«, schrie sie und trat mit ihren Beinen um sich. Ihr Herz klopfte, ihr Gesicht brannte. Dieser Mann mit seinen beschissenen Spielen machte sie krank.

Er starrte sie an. »Du wirst es schon sehen«, sagte er und deutete mit zitternder Hand auf sie. »Warte es nur ab.« Und mit diesem Satz knipste er die Lampe aus. Diesmal fragte er nicht, ob sie Essen, Trinken oder die Schüssel wollte. Kein Lächeln oder eine andere gruselige Frömmigkeit. Seine Schritte klangen schwer auf der Treppe, die Tür fiel laut hinter ihm zu. Der Kampf zwischen ihnen hatte eine andere Dynamik bekommen. Beide waren jetzt auf einem anderen Level.

Doch was er vor dem Verschwinden gesagt hatte, hatte Kayley entnervt. Sie wartete. Sah sich in dem pechschwarzen Raum um, verzweifelt versuchte sie, irgendeinen Plan zu schmieden. Doch in der Dunkelheit fand sie nichts, was ihr dabei behilflich sein könnte.

Die Zeit verging, die Dunkelheit wurde mit einer seltsamen Mischung aus Vergangenem und Gegenwart erfüllt; Erinnerungen aus der Kindheit und dem Erwachsensein. Dem ITM-Auftritt, der Farm – all das sammelte sich auf der Leinwand.

Sie musste an den schwarzen Mann denken. An ihren Vater. An den Arztbesuch, bei dem der Arzt von ihr wissen wollte, ob sie schon jemals irgendwer angefasst hatte, und die verschwommenen Erinnerungen davor verebbten. Es spielte sich in der Dunkelheit wieder vor ihr ab: Kayley im Bett auf der Farm, sehr jung; sie jammerte und schrie, während grobe, schwielige Hände ihre Haut berührten.

Daddy?, fragte sie in die Dunkelheit. Daddy, was ist damals passiert? Wist, kam die Antwort. Und Kayley saß jetzt auf dem Sofa, welches sich auf der Farm im Wohnzimmer befand. Der Fernseher war eingeschaltet, Nachrichten waren zu sehen. Ihr Vater stand bei der Tür, er trug seine alte Jeans und Gummistiefel voller Schlamm. Auf seinem Kopf befand sich eine flache Kappe, unter der sein lockiges rotes Haar hervorschaute, seine Fäuste waren in seine Hüften gestemmt. Seinem Blick nach zu urteilen, schien er müde und fertig zu sein. Er konnte ihren Blick spüren, was ihm unangenehm zu sein schien.

Sag es mir, forderte sie.

Wist, sagte er wieder, diesmal mit erhobener Hand.

Und sie wurde still. Die Nachrichten waren zu Ende, beide versuchten krampfhaft, den anderen nicht anzusehen.

Sie erinnerte sich an die Worte, die er einen Tag zuvor zu ihr gesagt hatte, seine Worte schienen in ihren Gedanken widerzuhallen: »Kein weiteres Wort mehr. Nicht zu deiner Mum, zu keinem Arzt und zu keinem Lehrer. Zu niemandem. Verstehst du?«

Kayley fühlte ihr Herz zerbrechen. Am liebsten wäre sie gestorben. Sie wusste, dass es unvermeidlich war, doch das schien sie nicht mehr zu kümmern. Sie würde es begrüßen. Wie würde es wohl passieren, und vor allem, wie würde es sich anfühlen? Diese Fragen gingen ihr durch den Kopf. Sie musste an die Schmerzen denken: die beim Tätowieren, beim Piercen. Als würde sie den Schmerz umarmen, kaum dass die Zeit gekommen wäre, ihm entschieden entgegenzutreten, mit ihm eins zu werden.

Sie sah zu ihrem Vater. Er sah immer noch fern. Doch irgendetwas hielt er in der Hand, er spielte daran herum: Es war ein altes Rasiermesser. Kayley erkannte es. Sie erinnerte sich, wie sie es im Schuppen gesehen hatte. Er hatte es immer mit einer Waschschüssel und einem Spiegel im Hof benutzt, um sich damit zu rasieren.

Blut befand sich an der Klinge.

Er ließ es in seiner Hand auftauchen, dann wieder verschwinden.

Er wandte sich ihr zu, seine Augen zu Schlitzen verengt.

Wist, sagte er. Es wird bald vorbei sein.

Die Tür wurde geöffnet, was Kayley aus ihren Erinnerungen riss.

Der Mann kam die Treppen herunter, seine Schritte waren nun leichter. Er trug seine Taschenlampe bei sich und pfiff fröhlich. Er ging zum Schrank, holte die Schüssel und brachte sie zu ihr. Dann schaltete er die Lampe ein und lächelte auf sie herab, die Taschenlampe legte er auf dem Nachttisch neben ihr ab.

Er wandte ihr den Rücken zu, als sie die Schüssel benutzte. Als sie fertig war, nahm er ihr die Schüssel weg und wischte sie ab. Kayley drehte sich von ihm weg, wie immer, es war eine abscheuliche Routine.

»Es ist Zeit«, sagte er.

»Zeit für was?«, fragte sie.

»Deine Transformation«, erklärte er ihr.

Er brachte die Schüssel zum Waschbecken und spülte sie aus. Danach eilte er wieder zum Bett zurück. In einer Hand hatte er wieder die Schüssel, in der anderen eine kleine Tasche. Er ließ sich auf das Bett fallen. Danach öffnete er die Tasche, und während er mit beiden Händen darin wühlte, summte er eine banale Melodie.

Einige Dinge tauchten aus der Tasche auf, er legte alles davon aufs Bett: einen Waschlappen, Seife, Haarschneider, Schere.

Das Letzte war ein Rasiermesser.

 

SIEBEN

Die Klinge schimmerte im spärlichen Licht der Lampe. Es war eine Halsabschneiderklinge, so wie die, die ihr Vater immer benutzte.

Kayley konnte ihre Augen nicht davon abwenden. Sie zerrte an den Fesseln, zog sich in eine Sitzposition hoch. Sie hatte sich eingebildet, dafür bereit zu sein, bereit für den Tod, bereit für den Schmerz. In Wahrheit fühlte sie sich machtlos dem Rasiermesser, der Schere und dem Rest aus der Tasche gegenüber.

Der Mann machte pfeifend weiter, bereitete alles für sein Vorhaben vor.

Plötzlich sah er auf und schnippte mit seinen Fingern.

»Musik«, sagte er schadenfroh. »Das ist es, was uns noch fehlt.« Er ging hinüber zum Schrank, dann drehte er sich wieder zu ihr. »Nicht die Art von Musik, die du sonst so hörst«, lachte er und fuchtelte mit seinen Fingern herum. »Nein, ich denke an echte Musik. Musik mit echt gutem Klang und einem Text, den man auch verstehen kann.« Er holte einen Kassettenrekorder aus dem Schrank und trug diesen zum Nachtisch. »Ich wette, dass du nicht einmal weißt, was das ist«, spottete er. »Zu jung. Zu leichtsinnig. Jugend ist etwas, das geschützt und nicht verschwendet werden sollte. Sieh dich an.« Er fuhr mit seinem Fingern an ihrem Arm und ihrem Gesicht entlang. »Diese Tattoos, diese Piercings …«

Kayley schüttelte ihn ab.

Er lächelte. »Warum zerstörst du dich nur so mit dem Zeug? Warum vernarbst du deine Haut so dermaßen?«

Kayley wollte gerade etwas sagen, hielt sich dann aber doch zurück.

Sie musste an ihr erstes Piercing denken. Sie hatte es sich irgendwo in Afflecks machen lassen; Suse hatte sie dabei begleitet. Und als sie im Sommer damit nach Hause kam, konnte es Kayley schon in den Augen ihrer Mutter sehen. Die Enttäuschung. Die Sorge. Sie hatte Angst vor der Veränderung ihres kleinen Mädchens, die große Stadt hatte enormen Einfluss auf sie. Bei ihrem Vater war es noch deutlicher zu erkennen. Er arbeitete draußen im Schuppen, und ihre Mutter hatte sie mit einer Kanne Tee zu ihm geschickt. Er nahm ihr die Kanne ab, nickte ihr zu und sagte irgendetwas zur Begrüßung. Dann sah er sie nochmals an, als er das Piercing entdeckte. »Das wird eine Narbe«, sagte er quietschend wie ein rostiges Scheunentor, als er es betrachtete. Kayley hatte sich dabei gefühlt, als wäre sie auf einen halben Meter zusammengeschrumpft.

Der Mann schaltete die Musik ein, und Dad-Rock erfüllte den Raum. Irgendeine Band aus den 1980er Jahren sang etwas über jemandes Tochter, jemandes Sohn, doch Kayley fühlte sich wieder sehr alleine. Dann kam der Refrain: anthemic fist in the air nonsense about having a voice; und der Mann sang mit, als ob er vorhatte, die Welt mit seinem schmutzigen Treiben hier im Keller zu verändern.

Kayley zitterte am ganzen Leib.

»Du musst stillhalten«, sagte er zu ihr.

»Warum? Was haben Sie vor?«

»Ich werde dich ausziehen«, sagte er so, als ob sie das nicht ohnehin schon gewusst hätte.

»Nein«, sagte Kayley. Du kannst mich töten, du Bastard. Du kannst mich aufschlitzen, doch wage es ja nicht, mich anzufassen.

Sie setzte sich auf ihre Knie, so gut sie es konnte.

Er seufzte, dann griff er nach der Schere. Kayley wand sich.

»Halt still«, mahnte er sie.

Er schob die kleinere Klinge der Schere unter ihre Weste und drückte sie nach unten, sorgfältig fing er an, den Stoff aufzuschneiden, bis er schließlich vom Körper fiel. Ihr BH war das Nächste, der Mann fasste an den Verschluss, doch dann schnitt er ihn zwischen ihren Brüsten auf, bis er auseinanderfiel und neben ihren Knien auf dem Bett landete.

Kurz hielt er inne und sah ihre Brüste an.

Kayley zerrte stark an ihren Fesseln, sie hasste ihn jetzt mehr als zuvor.

Er schüttelte seinen Kopf. »Noch mehr Tätowierungen«, sagte er, dabei klopfte er auf den kleinen Schmetterling, der auf ihrem Dekolleté saß. »Und noch mehr Piercings«, fügte er an, kaum hatte er die Brustpiercings entdeckt. »Warum tust du dir das nur an? Warum machst du es mir noch schwerer?«

»Was meinen Sie damit, noch schwerer?«, fragte Kayley. »Schwerer mit was? Sagen Sie es mir!«

Er sagte nichts darauf, stattdessen führte er die Schere an die Gürtellinie ihres Rocks und fing an zu schneiden. Dann fiel der Rock.

Oh Gott, dachte Kayley, dabei presste sie ihre Lider zusammen.

Sie war nackt.

Bryan Adams erklang nun aus der Stereoanlage und erklärte ihr, dass alles, was er getan habe, er für sie getan habe. Und der Mann sang mit, als ob er es auch so meinte.

Kayley öffnete ihre Augen, Tränen standen nun darin.

»Weine nicht«, wollte der Mann sie beruhigen, er berührte ihr Gesicht, und mit seinen Fingern versuchte er, die Tränen aufzufangen. »Siehst du denn nicht? Ich mache etwas Besseres aus dir.«

Er nahm die Haarschneidemaschine und schaltete sie ein, sie erzeugte ein abscheulich vertrautes Geräusch.

»Nein«, sagte sie.

Er packte er sie jedoch an den Haaren und fuhr mit der Maschine durch diese hindurch, bis ihr die dunklen Locken über ihre Schultern fielen und auf dem Bett landeten. Kayley schrie, doch er pfiff im Rhythmus der Musik mit.

Kaum war er fertig, schaltete er das Gerät aus und betrachtete sein Werk, zufrieden nickte er.

Dann legte er die Maschine auf den Tisch.

Er krempelte sich die Ärmel hoch, nahm einen Waschlappen und die Schüssel. Mit beidem ging er zum Waschbecken. Danach kehrte er wieder zum Bett zurück, wo er Seife und Waschlappen nahm.

Dann begann er, sie zu waschen.

Er seifte sie kräftig ein und schrubbte so fest, als würde ihr Leben davon abhängen. Der grobfaserige Stoff ließ Kayley jedes Mal zusammenzucken. Er näherte sich ihren Brüsten, wusch sie dort jedoch genauso, dann kam er zu den Beinen und zu der Stelle dazwischen. Kayley biss die Zähne zusammen und versuchte einen Schrei zu unterdrücken.

Kaum war er fertig, ließ er den Waschlappen in die Schüssel fallen und brachte diese zum Waschbecken. Er wusch sie aus, füllte sie mit frischem Wasser und kam damit zum Bett zurück.

Er fand das Rasiermesser, nahm es auf und hielt es gegen das Licht. Dann legte er es wieder beiseite und ging zum Schrank, kramte darin herum und nahm Rasierschaum heraus. Er schüttelte die Dose, nickte und kam wieder zurück, im Klang der Musik machte er einige schwungvolle Bewegungen. Eine weinerliche Diva aus den 80ern gab sich einem Jungen hin, ihrem jetzigen Ehemann. Kayley schluckte schwer.

Der Mann füllte seine Handfläche mit Rasierschaum aus der Sprühdose und verrieb sie auf ihrem Unterleib und ihren Beine. Er fühlte sich kühl auf ihrer Haut an, und sie spürte, wie sich eine Gänsehaut ausbreitete. Nun näherte sich der Mann ihrem Kopf. Dann sah er in ihre Augen und lächelte, während er den Schaum auf den Stoppeln auf ihrem Kopf verteilte. Er griff nach dem Rasiermesser, tauchte es ein paar Mal in die Wasserschüssel und bewegte sich damit so vorsichtig, wie er nur konnte. Immer wieder hörte er auf, um seine Arbeit zu betrachten, er griff nach der Lampe und versuchte in deren Schein mehr zu erkennen. Meat Loaf war nun zu hören, er sang etwas über Dead Ringer for Love, doch Kayley fühlte sich gerade so hässlich, wie sie sich nur fühlen konnte. Nackt, kahl, verletzt, beschämt.

Sie wollte ihm ins Gesicht spucken, doch ihr Mund war zu ausgetrocknet dafür. Wie auch ihre Augen, nur Zorn floss durch ihre Adern. Rote heiße Wut. Er klappte das Rasiermesser zusammen und ließ es in die Schüssel fallen, beides stellte er neben dem Bett ab.

»Nun, was werden wir wohl damit machen?«, fragte er, mit seinem Finger strich er über ihr Lippenpiercing. »Und dem hier«, sagte er, seine Augen waren auf ihre Brustwarzenpiercings gerichtet.

»Fick dich«, sagte Kayley.

»Dir fällt also nichts dazu ein?«, fragte er mit erhobener Augenbraue. »Gut, dann lass mich dir sagen, was ich denke: Ich denke, wir sollten sie herausschneiden.«

Kayley spürte, wie ihr Herz gegen die Brust hämmerte.

Wieder ging der Mann zum Schrank. Da begann Kayley sich zu fragen, warum sich hier so viel befand, was er gebrauchen konnte, ob es hier vielleicht schon andere Mädchen vor ihr gegeben hatte. Und wenn dem so war, wo waren sie jetzt?

Kalter Schweiß lief an ihrem Rücken hinab.

Der Mann holte einen Bolzenschneider, holte tief Luft, während er ihn hochhielt, dann nickte er. Damit kam er auf sie zu und hielt ihn an ihr Lippenpiercing.

Kayley schrie auf, versuchte sich loszureißen.

»Ruhig jetzt«, ermahnte er sie. »Oder ich werde die ganze verflixte Lippe erwischen!«

Als der Ring entfernt war, spürte Kayley Blut in ihren Mund und über ihr Kinn laufen.

Plötzlich explodierte ein grelles Licht vor ihren Augen: Der Körper des Mannes lag nun auf dem Boden im Schuppen ihres Vaters. Überall war Blut. Kayley stand davor, mit dem Rasiermesser in der Hand.

Und dann war sie wieder im Keller, der Mann sah ihr ins Gesicht.

»Sieh nur, was du dir angetan hast!«, klagte er. »Was für ein Schlamassel!«

Er näherte sich ihren Brustpiercings. Kayley schwitzte und bibberte wie Espenlaub. Sie kniff ihre Lider fest zusammen, und das Bild des Schuppens tauchte wieder auf. Der blutige Mann lag immer noch regungslos auf dem Boden. Ihr Dad war jetzt da. Er nahm Kayley das Messer aus der Hand und legte es auf die Werkbank. Dann zog er sie fest an sich heran. Wist, sagte er. Es ist jetzt vorbei.

Doch das war es nicht.

»Ruhig!«, fluchte der Mann, während er mit seinem Bolzenschneider hin und her rutschte.

Panische Angst überkam sie, und sie konnte den kalten Stahl des Werkzeugs fühlen, während er damit an ihren Nippelringen herumfummelte, einer nach dem anderen sprang ab.

»Da«, sagte der Mann, dabei stieß er die Luft aus. »Da, gar nicht mal so schlecht, was?«

Er wischte sich über die Stirn und lächelte sie an. Doch dann verwandelte sich das Lächeln in ein Stirnrunzeln.

»Deine Tattoos«, sagte er. »Die müssen wir auch loswerden.«

 

ACHT

»Was denkst du?«, fragte der Mann. »Ich meine, du siehst jetzt richtig lieblich aus. Wirklich lieblich … bis auf diese verdammten Flecken auf deiner Haut.« Er schüttelte den Kopf. »Ich dachte, es wäre okay, wenn ich dich davon befreie, indem ich dir eines nach dem anderen entferne«, er deutete auf die Piercings in der Schüssel und rümpfte die Nase. »Doch das wäre nicht richtig, oder doch?«

Er trat zurück, rieb sich über seinen Mund und sah sie von Kopf bis Fuß an, er wog die Dinge ab. Aus der Anlage dröhnte nun ein Schlagersänger, er nannte sie seine liebste Zeitverschwendung, und die Ironie daran ging an Kayley nicht vorbei.

»Bitte«, flehte sie. »Hören Sie auf. Nicht weitermachen.«

»Aber das wäre nicht richtig, oder?«, fragte er, er klang mehr und mehr aufgeregt. »Es muss doch perfekt werden, und das ist es noch nicht.«

»Es muss perfekt werden?«, Kayley sah ihm tief in die Augen. »Es?! Habe ich richtig verstanden? Ich bin eine lebende Person. Und die verletzten Sie gerade, Sie verdammtes Tier! Sehen Sie nicht, was Sie gerade tun? Aufhören! Bitte, hören Sie einfach auf damit!«

»Nein«, beharrte er. »Es erfordert noch etwas Arbeit.« Er hatte ihr nicht wirklich zugehört. Kaum war er wieder beim Bett, sah er sich die Dinge aus der Tasche noch einmal ganz genau an.

»Bitte«, sagte Kayley.

Er hatte wieder das Rasiermesser. Er öffnete die Klinge. »Sag’s mir«, sagte er. »Komm schon!«

»Was sagen?«, rief Kayley. »Was, verdammt noch mal? WAS?!«

»Dich zu dem zu machen, was du bist! Wird es funktionieren?« Er fuhr mit dem Rasiermesser vor ihrem Gesicht herum. »Komm schon! Sag’s mir, du kleine Schlampe!«

Egal was Kayley ihm jetzt darauf sagen würde, es wäre sinnlos, somit schwieg sie. Stattdessen schüttelte sie ihren Kopf und wand sich herum, trat mit ihren Beinen so schnell sie konnte.

Doch nichts würde ihn aufhalten. Er packte Kayley am Kinn und zog ihr Gesicht an seines. »Halt verdammt noch mal still«, schäumte er.

Dies war das erste Mal, dass sie ihn so erlebt hatte. Er war nun außer Kontrolle, Schweißperlen glitzerten auf seiner Stirn. Sie konnte sie sogar riechen, sie überlagerten sein After Shave, und der Stoff seines Shirts klebte an ihm.

Kayleys Herz pochte, das Blut kochte in ihren Adern. Sie spürte den Schmerz beinahe gar nicht mehr, als die Klinge an ihrem Arm entlang glitt, und sie dabei ein wenig ins Fleisch schnitt. Doch dann war es so gut wie das Einzige, was sie noch fühlte.

»HALT STILL!«, schrie er.

Sie konnte fühlen, wie sich ihre Haut abschälte. Ein Stück davon hielt er ihr vor die Augen, es baumelte wie ein Fisch hin und her. »Siehst du?«, fragte er. »Es geht runter! SIEHST DU ES?«

Er sah wieder nach unten, sein Gesichtsausdruck veränderte sich. »Ist noch immer zu sehen«, sagte er. »Der verdammte Fleck ist tiefer als ich angenommen habe.«

»Natürlich ist es tiefer, du Feigling!«, schrie Kayley. »Das ist ein beschissenes Tattoo!«

»Halt die Klappe«, warnte er sie.

»FICK DICH!«, schrie sie und dann spuckte sie ihm ins Gesicht.

Er wich zurück, als wurde er soeben infiziert. Hastig holte er ein Taschentuch aus seiner Hosentasche und wischte sich damit ab. Dann eilte er zum Waschbecken und rieb mit einem Tuch benommen an seinem Gesicht.

»Du«, sagte er zu ihr, dabei tropfte ihm Wasser von seinem Gesicht. »Ich dachte, ich hätte dich befreit. Doch du bist immer noch infiziert. Du trägst immer noch das Gift in dir. Wie eine Schlange!«

Seine Hand zitterte, während er auf sie zeigte. Er hastete rund um das Bett, als sei er besorgt, dass sie ihn erneut schlagen oder anspucken würde. Schnell sammelte er seine Sachen ein, drehte das Licht aus und lief die Treppe nach oben.

Kayley wurde wieder von der Dunkelheit umgeben.

 

NEUN

Mit der Dunkelheit war sämtliches Zeitgefühl verschwunden. Die Schmerzen an ihrem Arm waren beißend. Er blutete, doch sie hatte keine Ahnung, wie stark: Es reichte, um den Stoff der Bettwäsche zu tränken, genug, um es zu riechen und zu fühlen.

Sie erinnerte sich wieder an die Zeit im Schuppen, als sie noch ein kleines Mädchen war, und da lag ein toter Mann auf dem Boden, überall war Blut. Und da war ein Rasiermesser, das sie in ihren Händen hielt. Selbst ihre Kleidung war blutgetränkt. Sie erinnerte sich an ihren Vater, der zur Tür hereinkam und den Körper ansah, das Blut, die Klinge, die sie hielt. Sein Blick weitete sich mehr, als sie es für möglich gehalten hatte.

»Was hast du getan, Kayley?«, fragte er. »Jesus, was hast du nur getan?«

»Es war der schwarze Mann, Daddy!«, erklärte sie. »Ich habe den schwarzen Mann getötet!«

Und irgendwie begann er zu verstehen. Sie würde ihm später mehr sagen. Dass sie hergekommen war, um nach ihm zu sehen, ihm etwas Tee zu bringen, und dann tauchte der schwarze Mann auf. Er wollte sie wieder so berühren, wie er es all die Nächte in ihrem Zimmer getan hatte. Später würden sie alles gemeinsam erledigen, doch jetzt hielt sie ihr Daddy einfach nur fest und sagte ihr, dass alles vorbei war, dass sie das Richtige getan hatte und ihr niemand mehr wehtun würde.

Allerdings hatte er gelogen.

Es tat ihr wieder jemand weh.

Kayley wurde bewusstlos. Sie träumte, und in diesem Traum war sie frei. Fern von diesem Mann, fern von diesem gottverdammten Keller. Fern von diesen Erinnerungen, die sie plagten; die sich ständig aus ihr herausgruben. In ihren Träumen war sie im Bus. Mit Suse auf dem ITM Konzert. Zu Hause auf der Farm. Doch überall, wo sie war, starrten die Leute scheinbar entsetzt ihre Tattoos an.

»Verdecke sie«, schimpfte ihr Vater. »Du machst ja eine richtige Show daraus, dich so zu zeigen. Alle sehen dich an, Kayley, und das brauchen wir nicht, wir brauchen diese Art von Aufmerksamkeit nicht, erinnerst du dich? Du weißt, was da im Feld vergraben liegt. Du weißt, was passieren wird, wenn sie es herausfinden.«

Ihre Mutter lächelte leicht, sie scheuchte ihren Vater fort. »Wir werden Make-up verwenden«, flüsterte sie. »Wir werden alles grundieren. Dafür hab ich was. Es wird aussehen, als ob sie nie da waren.«

Jedoch klappte es nicht. Nichts funktionierte. Ihre Tattoos waren zu hell, zu groß. Ihr Vater hatte recht: Die Leute starrten sie an. Die Menge zeigte auf sie und starrte sie an.

»Was starrt ihr mich denn alle so an?«, rief Kayley.

Und dann erkannte sie es: Die Tinte bewegte sich unter ihrer Haut. Entsetzt beobachtete Kayley, wie sie sich auf ihrem gesamten Körper ausbreitete. Sie konnte spüren, wie sie an ihrem Nacken hochwanderte, auf ihr Gesicht zu, die Haut straffte sich, und es brannte überall.

Die Menge umschloss sie. Stachelte sich gegenseitig auf. Die Leute schrien nun, eine Stimme überlagerte die anderen: »Du bist infiziert, Kayley Sands! Du trägst Gift in dir!«

Ihre Augen öffneten sich.

Sie war zurück im Keller. Sie konnte den Mann hören, er fluchte über sich selbst, als er im Schrank wühlte. Dann war die Lampe an, und er war neben ihr. Er behandelte ihre Wunden, bot ihr etwas Wasser, etwas Essen und die Schüssel an.

Mehr Zeit verstrich, Kayley wurde immer wieder bewusstlos, die Grenze zwischen Realität und Traum wurde immer unschärfer.

Der Mann tat eine Menge. Er wechselte ihren Verband, reinigte ihre Wunde, gab ihr zu essen und zu trinken. Kayley nahm nur äußerst benommen die Bewegungen war. Seine Anwesenheit war etwas, dass ihr jedes Mal, wenn er kam, enorme Angst machte. Dies wurde zur Routine.

So wie auch der Schmerz zur Routine wurde.

Sie schien sich nicht wirklich zu erholen. Ihr Arm schien sich infiziert zu haben. Sie erzählte ihm davon, doch er schien nicht wirklich zu wissen, was er tun sollte. Er sah sie einfach nur schuldbewusst an.

Fieber plagte sie. Sie versuchte ihm beizubringen, dass ihr kalt war und sie dann wieder schwitzte. Er schien es nicht zu hören. Jedoch brachte er das nächste Mal eine Decke mit. In einer Ecke befand sich eine Heizung, die er reparierte, und als sie lief, wurde es warm.

»Ich habe es vermasselt«, sagte er zu ihr, als er die Decke über sie legte. »Doch ich kann es wiedergutmachen. Wirklich, das kann ich. Ich möchte dich nicht sterben lassen, Kayley. Ich möchte dich nicht nochmals verlieren.«

Als er weg war, schlich Suse aus der Ecke und näherte sich vorsichtig dem Bett. »Du musst hier irgendwie raus«, flüsterte sie. »Ernsthaft, Kayley, das ist nicht mehr witzig.«

Kayley lachte finster. »Denkst du?«

Hier wegzukommen, schien ihr irgendwie befremdlich. Ihre Augen auch nur zehn Sekunden lang offen zu halten, stellte eine Herausforderung dar. Wenn der Tod sich ihr anbieten würde, wäre es mit Sicherheit eine Erlösung von all dem – dem Schmerz, dem Elend, der Scham –, und sie würde dieses Angebot annehmen.

Ihr Vater schien ihr zuzustimmen. Er lungerte in einer Ecke des Kellers, sein Blick war auf einen alten staubigen Fernseher gerichtet, der wohl schon seit 20 Jahren nicht mehr eingeschaltet worden war. »Ich hab dir doch gesagt, dass das passieren würde«, erklärte er ihr. »Ich habe dir von diesen Dingen erzählt, die in Städten wie dieser passieren. Du wirst in einem Grab enden, hab ich dir gesagt. Oder einem Nachtclub, der eigentlich gar kein echter Nachtclub ist.«

»Oder einem Bus«, sagte Kayley. »Wie die Linie 192 nach dem ITM Konzert in der Academy. Wie wär’s damit?«

»Warum versucht du nicht, irgendwie loszukommen?«, fragte Suse, sie deutete dem alten Mann, still zu sein und schob ihn beiseite. Sie packte Kayleys Handgelenk und versuchte, es von dem Seil zu befreien, doch Kayley zog es zurück.

Und plötzlich war sie alarmiert. Müde, steif, ein wenig wund, aber aufmerksam. Sie fühlte sich deutlich besser. Fieberlos. Kein Brennen mehr in ihren Adern.

Aber sie war durstig. Wirklich durstig. Und sie musste pissen.

Sie dachte kurz daran, nach dem Mann zu rufen, ihn um etwas Wasser und die Schüssel zu bitten, doch dann stieß sie den Gedanken von sich.

Suses Worte kamen ihr wieder in den Sinn: Warum versuchst du nicht, irgendwie loszukommen?

Kayley testete das Seil. Es fühlte sich anders an. So als ob es mit etwas überzogen war. Kayley erinnerte sich an das Blut, dass an ihren Armen entlanggelaufen war, als der Mann sie mit der Klinge bearbeitet hatte. Es war wohl in das Seil eingesickert; die einst braunen Fasern waren nun dunkelrot. Bei diesem Anblick musste Kayley an Maria Brink und deren Tränen aus Tinte denken. Wie beim Tätowieren, wenn sich die Tinte mit Blut vermischt, und beides über die Haut fließt, was der Tätowierer alle paar Minuten aus Gewohnheit abwischt.

Eine Idee formte sich in Kayleys Verstand.

Sie fing an, das Seil an den rauen, porösen Stellen an ihren Handgelenken zu bearbeiten. Es schmerzte genauso wie das Tätowieren. Ein notwendiger Schmerz; Teil des Prozesses. Ihre Haut schien aufzuplatzen, weiteres Blut kam heraus. Kayley spannte das Seil an, nutzte das Blut als Schmiermittel und versuchte, irgendwie mit dem rechten Arm herauszugleiten.

Es funktionierte.

»Komm schon«, flüsterte sie. »Verflucht, komm schon!«

Bewegungen über ihr.

Die Tür zum Keller wurde geöffnet, und jemand kam die Treppe nach unten.

 

ZEHN

»Shit, Shit, Shit …«

Kayley schloss ihre Augen und versuchte stillzuliegen, sie täuschte vor, zu schlafen. Doch ihr Herz schien ihre Brust verlassen zu wollen. Ihre Atmung ging schwer und auf ihrer Haut dampfte Schweiß.

Die Lampe ging an, aufgrund des Lichts verzog sie ihr Gesicht.

»Oh mein Gott, du bist wach!«, verkündete der Mann deutlich erfreut.

Kayley versuchte zu lächeln und etwas zu sagen, doch es war zu spät. Er hatte ihren rechten Arm bereits entdeckt: das Blut, die Reibung an ihrem Handgelenk, alles Beweise.

»Hrrmmpf«, grunzte er. »So ist es also. Ich meine, wie lange bist du bewusstlos gewesen, hä? Ich meine, ich tue hier alles mir Mögliche für dich, werde krank vor Sorge, und was treibst du die ganze Zeit?!«

»Warten Sie, das ist nicht das –«

»Kein Wort mehr«, schäumte er und deutete mit seinem Finger auf sie. »Wage es ja nicht, mich anzulügen. Wage es nicht!«

Kayley fluchte leise.

»Du glaubst, dieser kleine … Entfesselungskünstlerversuch bringt dich hier raus? Das ist kein billiges Seil. Keines dieser Billigteile. Ich habe das Beste besorgt. Qualität vor Quantität, Kayley! Ich bevorzuge eher fünf Meter gutes Seil, bevor ich 100 Meter Müll kaufe. Frag doch deinen Vater, er wird dir dasselbe sagen.«

Kayley Herz setzte kurzzeitig aus.

»Mein Daddy? Was wissen Sie denn schon über meinen Vater?«

Der Mann sah sie verschlagen an. »Ich habe die Nachrichten gesehen«, sagte er ihr. »Die Suche –«

»Sie haben mir doch weismachen wollen, dass niemand nach mir sucht. Sie meinten, mein Vater würde sich nicht darum kümmern.«

»Und das ist verdammt wahr!«, spuckte der Mann. »Es wird ihn nicht kümmern!« Der Mann rieb sich über seinen Mund, Kayley war wieder in ihrer Kindheit und in ihrem Bett, ein Schatten befand sich bedrohlich über ihr. Der schwarze Mann. »Nicht so, wie ich mich kümmere«, fügte er an.

Kayley schluckte schwer. Er war dabei, ihr Gesicht zu berühren, doch sie wandte sich ab.

»Warum widersetzt du dich mir, Kayley? Siehst du denn nicht, wieviel du mir bedeutest? Mehr als allen anderen. Deinem Vater, deiner Mutter, Suse … wo sind sie alle? Ich bin derjenige, der nach dir sieht, dir alles bringt, was du brauchst, und nicht sie!«

Er griff erneut nach ihr, sie spuckte ihm ins Gesicht.

Er wich zurück, griff in seine Tasche nach einem Taschentuch, mit dem er sich abwischte. »Das ist Gift«, sagte er. »Es ist immer noch in dir. Doch das werden wir schon aus dir herausbekommen. Wirst schon sehen. Wir werden dich davon befreien!«

Damit ging die Lampe aus und er stampfte die Treppe nach oben.

 

ELF

Er schien wieder in besserer Stimmung zu sein, als er die Treppe herabkam, da er ein Lied dabei pfiff. Sie hörte ein Rascheln. Er trug irgendetwas bei sich. Als das Licht an war, konnte Kayley sehen, dass er eine weitere Tasche bei sich hatte. Er ließ diese auf das Bett fallen und fing an, sie zu durchwühlen.

»Hab etwas mitgebracht«, sagte er lächelnd. »Schöne Dinge.«

Aus der Tasche holte er ein Kleid. Es hatte Blumenmuster und es war eines von jenen Kleidern, die sie das letzte Mal mit neun getragen hatte. Er machte eine große Show daraus, es auszubreiten, dann hielt er es vor sich, damit sie es sehen konnte.

»Was denkst du?«, fragte er. »Es hat lange Ärmel, somit sind deine Tattoos verdeckt. Aus den Augen, aus dem Sinn, richtig?«

Da kam Kayley auf eine Idee. »Mir gefällt es«, sagte sie strahlend. »Ich möchte es anprobieren.«

Er sah sie misstrauisch an.

»Nein, wirklich«, sagte sie. »Es … erinnert mich an meine Jugend. Ich vermisse sie.«

Er sah sie nun anders an. Was sie da gesagt hatte, hatte wirklich einen Nerv getroffen. In der Tat begann er zu strahlen. Wahrlich zufrieden mit sich selbst, und wäre das Licht besser gewesen, hätte sie gesehen, wie er errötete.

Kranker Schwanzlutscher, dachte sie. Befreie mich von diesen Fesseln, und ich werde dir einen Grund zum Erröten geben.

Und das war ihm auch verdammt bewusst. Er wog diesen Gedanken ab. Das Dafür und Dagegen. Er rieb sich über den Mund und räusperte sich, bevor er sagte: »Versuchen wir es.«

Er faltete das Kleid wieder zusammen und schob es zu ihren Beinen.

Kayley hielt ihre Beine hoch, vollkommen widerstandslos, sie erlaubte ihm, ihr das Kleid anzuziehen. Als sie bei den Ärmeln ankamen, lächelte sie ihn an.

Er leckte sich über die Lippen, er schien wirklich sehr daran interessiert, sie in diesem Kleid zu sehen.

»Ich werde artig sein«, sagte sie, fast kindlich, als ob sie etwas falsch gemacht hatte. Er war wirklich froh, das zu hören. Ein kalter Schauer lief Kayleys Wirbelsäule entlang, und sie hatte sehr damit zu kämpfen, ihr Lächeln beizubehalten.

»Ich habe eine Idee«, sagte er.

Er stand auf, ging zum Schrank, in dem er herumkramte und eine Flasche Chloroform hervorholte.

»Nein, das ist nicht nötig«, sagte Kayley. Ihr Magen drehte sich wieder um, und die Übelkeit stieg ihr bis zum Hals.

»Sccchhhh«, sagte er, dann drückte er ihr das getränkte Taschentuch gegen Nase und Mund.

Dunkelheit überkam sie.

Und dann ein Atmen. In ihren Ohren. Sie war wieder ein kleines Mädchen, in ihrem Bett auf der Farm in Fermanagh, und der schwarze Mann war bei ihr im Zimmer. Er war bei ihr am Bett, fuhr mit seinen Händen durch ihr Haar, atmete schwer, als er sie berührte.

»Aber du bist doch tot«, protestierte sie. »Ich habe dich getötet. Und Daddy hat dich in einen Teppich gerollt und draußen auf den Feldern begraben.«

»Nun, und wieso bist du dann wieder hier?«, fragte der schwarze Mann. Und wie die große Kayley, fiel auch die kleine mit den blonden Locken bewusstlos in die Arme des schwarzen Mannes, und kurz darauf war es dunkel. Tinte lief aus ihren Augen wie Tränen, sie sickerte in ihre Haut und bildete Tattoos, und ein riesiger Metallring schob sich seinen Weg durch ihre Haut an der Unterlippe.

»Schätze mal, du bist gar nicht mehr so klein«, sagte eine andere Stimme, als Kayley hochsah und auf Suse blickte, die neben ihrem Bett stand. Sie ließ ihr Feuerzeug aufschnappen und aufflammen.

»Suse! Ich dachte, du wärst weg.«

Suse nahm einen Zug von ihrer Zigarette und lachte. »Und lasse dich hier alleine zurück, Babe? Niemals.«

»Versteh doch, ich bin nicht dumm. Ich weiß genau, dass das ein Traum ist. Du bist genauso wie jeder andere Dreckskerl da draußen. In der realen Welt gibst du einen Scheiß auf mich. Niemand tut das.«

»Babe, ich habe eine Facebookseite erstellt, oder nicht? Hat über 5000 Likes, Kleine. Die Leute teilen dein Bild überall.«

»Wirklich?«

»Ja, wirklich.«

»Was ist mit meinen Eltern? Mit meinem Dad?«

»Babe, dein Dad hatte alle in den Wahnsinn getrieben. Er hat die Cops aufgescheucht, war mit ihnen und deren Hunden auf der Suche nach dir, war sogar mit den verfluchten Helikoptern am Himmel unterwegs, um dich zu finden.«

»Aber ich bin doch nicht im verdammten Himmel. Ich bin hier.«

Suse erhob ihre Hände in einer »Genau das ist ja das Problem-Geste«.

»Spielt keine Rolle«, sagte sie. »Du brauchst sie nicht.«

»Was?«

»Diese Helikopter. Die Hunde. Die Cops … Babe, das alles brauchst du nicht. Sieh dich an.«

Kayley sah sich an, sah auf ihre kindlichen Hände, die plötzlich größer wurden. Buchstäblich. All ihre Glieder dehnten sich, ihr Körper platzte aus ihrem Pyjama.

Sie sah zu Suse. »Was passiert mit mir?«, fragte sie. »Ich verstehe das nicht.«

»Doch, das tust du. Du hast es einmal geschafft, und du kannst es wieder tun. Also wach auf, und leg diesen verdammten Hurensohn um.«

Kayley erwachte langsam und benommen, sie war wieder im Keller. Ein Spiegel stand ihr gegenüber. Der Mann stand hinter ihr und hielt ihre Arme hoch wie die einer verdammten Puppe. Sie konnte das Kleid sehen. Sie hatte es vollständig an. Sie trug eine Perücke. Lange blonde Haare, so wie sie sie als Kind hatte. Ihr war übel, und sie musste sehr mit sich kämpfen, um sich nicht zu übergeben. Die Hände des Mannes fuhren über ihre Brüste, er atmete aufgeregt in ihr Ohr. Sie konnte seine Erektion an ihrem Arsch fühlen. Und dann wurde es ihr klar: Das alles war vertraut, weil es schon einmal passiert war. Die Hände auf ihr, das Atmen im Ohr, all diese Dinge hatte sie schon einmal erlebt.

Der schwarze Mann. Das war der schwarze Mann aus ihrer Kindheit, sie war sich sicher.

Doch wie konnte das möglich sein?

Kayley wollte schreien, wollte heulen, doch sie unterdrückte all diese Reflexe. Dies war ihre Chance. Ihre Hände waren frei, doch irgendwie fehlte ihr die Kraft.

Angewidert täuschte sie vor, zu schlafen, während er weitermachte. Das Kleid, die Perücke und ihre Verletzlichkeit, das alles machte diesen Schwanzlutscher offensichtlich an.

Seine Hände bewegten sich auf ihren Schritt zu. Sie waren warm und verschwitzt, und sie fühlten sich auf ihrer glatten Haut wie Öl an, welches auf dem Weg zu ihrer Vagina war. Kayley war immer noch fertig von dem Chloroform, doch sie konnte es nicht zulassen, dass er sie weiter berührte.

Sie schwang ihren Kopf zurück, stieß damit voll gegen sein Nasenbein.

»Ooomph«, hörte sie.

Mit ihrer Hand tastete sie schwach und unkoordiniert hinter ihrem Rücken umher, doch dann sie fand seinen Penis und quetschte ihn, so fest sie konnte.

Ein weiterer Aufschrei.

Kayley stand auf, stolperte, und kämpfte damit, ihr Gleichgewicht zu halten. Es war schwer, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Der Mann griff nach ihr, wollte sie packen. Dieses Mal traf sie ihn mit dem Ellbogen im Gesicht, ihre Kraft war zurückgekehrt, sie reichte aus, es knacken und ihn rückwärts taumeln zu lassen.

Kayley stolperte auf die Treppe zu. Sie stürzte über die zweite Stufe und fiel auf ihre Knie. Kurz darauf schmerzte es, doch das Adrenalin schien den Schmerz zu dämpfen. Kayley kletterte den Rest auf allen vieren nach oben.

Er war hinter ihr, zog an der Perücke, wirbelte sie herum und zog sie ein paar Stufen nach unten. Kayley fiel auf ihren Hintern, und er stürzte sich auf sie. Er zog ein Messer aus seinem Gürtel und wollte es benutzen, aber Kayley packte ihn am Handgelenk, dabei grub sie ihre Nägel in sein Fleisch, und zwar so fest, dass ihm das Messer aus der Hand fiel und über die Stufen nach unten rutschte. Dann wollte er sie nach unten drücken, doch Kayley krallte sich in sein Gesicht, vergrub ihre Nägel in seiner Nase. Die bereits gebrochene Nase blutete, und ihre Hand rutschte ab, verschmierte Blut auf seiner Wange. Er packte sie mit der Hand an der Kehle, versuchte, sie zu erwürgen, jedoch schaffte sie es, ihre Knie zwischen seine Beine zu rammen, und nochmal stieß sie mit ihrem Kopf gegen seine Nase.

Er stürzte zurück und fiel die Treppe hinab.

Kayley ging weiter nach oben, bis sie die Tür erreichte. Sie versuchte sie zu öffnen, aber sie war abgeschlossen.

»Fuck!«, schrie sie.

Von unten dröhnte sein Lachen zu ihr.

Und vielleicht war es aufgrund seiner gebrochenen Nase, die den Klang in seiner Kehle etwas dämpfte, aber das Lachen war ihr plötzlich vertraut. Sie sah ihn an, und trotz der Schatten im Keller sah sie ihn in einem etwas anderen Licht: Jung, Bartstoppeln im Gesicht, auch wenn diese nun durch das Blut verdeckt wurden. Sie hatte ihn mal lachend auf dem Beifahrersitz im Landrover mit ihrem Vater gesehen, als Kayley auf der Rückbank saß und ihnen zusah. Er hatte über etwas gelacht, das ihr Vater gesagt hatte. Ihr Vater lächelte jedoch nur halbherzig, und er hatte einen etwas bedrückten Gesichtsausdruck. Und dann sah sie ihn wieder, als er zusammen mit ihrem Vater den Zaun reparierte, er sah sie an, als sie in ihrer Schuluniform an ihm vorbeiging. Es war ein wahres Nachgegaffe. Und dann sah sie ihn wieder, wie er durch das Fenster des Schuppens winkte. Und dann in ihrem Schlafzimmer, wie er da mit seinen schlammbedeckten Gummistiefeln stand, so wie ihr Vater immer, er hatte einen moschusartigen Geruch, ein Gemisch aus Rasierwasser und Schweiß vom harten Arbeitstag.

Er war der schwarze Mann. Das wusste Kayley jetzt. Somit hatte sie den falschen Mann umgebracht, und ihr Vater hatte den falschen Leichnam in den Teppich gewickelt. Irgendein Farmarbeiter lastete nun auf ihrem Gewissen. Ein unschuldiger Mann, zur falschen Zeit am falschen Ort.

Mit dem falschen jungen Mädchen.

Etwas machte Klick in ihrem Kopf. Suses Worte kamen wieder hoch: Du hast es damals geschafft, und du kannst es wieder tun.

Die Worte wurden klarer: Kayley war eine Mörderin, und jetzt war die Zeit gekommen, um zu töten. Im Schein der Lampe glitzerte das Messer, es lag neben den Füßen des Mannes. Kayley eilte die Treppe hinab und auf ihn zu. Der Mann hörte auf zu lachen. Er war sich nicht sicher, was sie vorhatte, aber er machte sich bereit, sie zu packen. Sie rammte ihn, was ihn zurückwarf, und sie fielen um. Dann kroch sie auf das Messer zu, seine Hände hatten sie an den Beinen gepackt, ein Versuch, sie festzuhalten, ihre Finger waren komplett ausgestreckt, sie hatte es fast erreicht. Und dann, mit einem letzten Anlauf gelang es ihr, an das Messer zu kommen, sie drehte es herum, damit sie es im Griff hatte und rammte es dem Mann, so fest sie konnte, in die Brust.

Ein markerschütternder Schrei entwich seinen Lippen, doch Kayley ließ keineswegs ab von ihm. Wieder und wieder rammte sie es in ihn. Jeder Stich glitt sanfter in das Fleisch des Mannes, welches jetzt fast weich wurde. Kayley schrie beim finalen Stoß auf, dann stand sie auf. Sie taumelte kurz, das Messer fiel ihr aus der Hand.

Sie warf einen Blick in den gegenüberstehenden Spiegel. Selbst in diesem spärlichen Licht sah sie furchtbar aus. Sein Blut klebte überall an ihr. An ihren Händen, in ihrem Gesicht, an ihrem Kleid.

Ihre Perücke war komplett verrutscht, Haarsträhnen hingen über ihren Augen. Sie nahm sie ab und warf sie zu Boden.

Sie wollte – nein musste – hier raus. In der Tat hatte sie noch nie ein Bedürfnis so stark wie dieses verspürt. Sie drohte buchstäblich, in dieser Luft hier zu ersticken, sie hatte schwer damit zu kämpfen, zu atmen.

Die Schlüssel. Wo sind die verdammten Schlüssel?

Kayley sah auf den am Boden liegenden Körper des Mannes hinab. Reglos lag er da. Es bestand kein Zweifel daran, dass er etwas anderes als tot war. Vorsichtig steckte sie ihre Hand in die Taschen seiner Jeans und filzte sie. Nichts. Sie hob den Toten an und drehte ihn herum, um seine Gesäßtaschen zu überprüfen, auch nichts.

»Komm schon, komm schon, wo steckt ihr?«, sagte sie.

Dann fing sie an zu weinen. Zu jammern. Sie schüttelte den Kopf und beschwor sich selbst, damit aufzuhören, dabei wischte sie sich über ihr Gesicht.

Wieder auf ihren Beinen ging sie wie ein gefangenes Tier an den Wänden entlang. An der hinteren Seite des Kellers befand sich eine Art Stauraum. Paletten mit Dingen. Fässern. Sie ignorierte alles davon. Darüber hingen ein paar Gegenstände an der Wand: Besen und Schaufel.

Sie nahm die Schaufel und trug sie zusammen mit der Lampe zu den Stufen.

Geistig reiste sie wieder zurück zu dem Feld und zu ihrem Vater, in der Nacht, in der sie einen unschuldigen Menschen im Schein einer Lampe begraben hatten. Sie beobachtete es aus der Entfernung.

Sie fegte das Bild aus ihrem Kopf, machte sich zu der Tür am oberen Ende der Treppe auf. Mit der Schaufel hämmerte sie dagegen.

Dann verkeilte sie die Schaufel zwischen Türrahmen und Tür und setzte all ihre Kraft ein.
Etwas schnappte, und die Tür gab nach.

Kayley ließ die Schaufel fallen und ging hinaus.

 

ZWÖLF

Kayley stand nun in einem Flur.

Die Lichter waren eingeschaltet, und von irgendwoher war Musik zu hören. Nicht so laut wie sonst, mehr aus einem Radio. Sie ging der Quelle nach und traf auf eine weitere Tür. Sie öffnete sie einen Spalt und spähte hindurch.

Es war ein kleines Büro. Darin befanden sich ein Tisch, ein Sessel und ein Computer. Der Kassettenrekorder, den der Mann benutzt hatte, stand neben einem Aktenschrank.

Ihr Telefon lag auf dem Tisch. Sie nahm es an sich und sah auf das Datum und die Uhrzeit. 10:24. Es waren zwei Wochen seit dem Konzert vergangen.

Zwei Wochen. Hätten auch zwei Monate sein können. Zwei Jahre, um Himmels willen.

Kayley setzte sich nicht. Sie bewegte die Maus, der Computer ging an.

Ihr Facebook-Profil war zu sehen.

Sie war markiert auf einem Foto in einem Bus, sie saß auf der Rückbank, ihr Kopf lehnte gegen die Scheibe, ihre Jacke hatte sie als Polster genutzt.

DIE NACHT, IN DER WIR UNS KENNENGELERNT HABEN, stand darunter.

16 Likes, halb so viele Kommentare. Sie las einige davon.

SCHREIB MIR MAL, war einer von Suse.

Sie sah auf den Namen des Profils, von dem sie markiert wurde, doch sie kannte es nicht. Sie überprüfte das Profil. Ein Bild von jemandem, der wie ein Emo aussah, tauchte auf. Kayley erkannte ihn. Irgendwer von Facebook. Er hatte sie vor einer Weile hinzugefügt, sie hatten ein paar Mal hin und her geschrieben, aber nichts Tiefgründiges.

Sie erinnerte sich an den Mann, der ihr Handy hielt: »Ich kann dir eine Menge mithilfe des Telefons von jemandem verraten«, hatte er gesagt, doch das war schon eine längere Hausaufgabe gewesen, lange bevor er überhaupt ihr Handy hatte. Er hatte sie cybergestalked, er hatte sein Profilbild vermutlich von irgendwem gestohlen.

So leicht.

Sie dachte an den Abend im Bus zurück, zwei Wochen zuvor. War er in der Schlange? Im Bus? Oder hatte er irgendwen anderen die Sache erledigen lassen? Sie plagte ihr Gedächtnis, versuchte sich zu erinnern, wer es gewesen sein könnte, wie es demjenigen es unter all den Menschen gelungen war: den asiatischen Jungs, dem streitenden Paar, dem Busfahrer. Wie konnten sie alle das nur geschehen lassen? Warum hatte niemand etwas bemerkt? Warum hat sie niemand vermisst?

Plötzlich wurde ihr übel, sie nahm ihr Handy und schritt aus dem Zimmer, auf der Suche nach dem Bad. Sie fand es und übergab sich in ein Urinal.

Sie wischte sich den Mund ab und sah sich im Spiegel an.

Jesus, was hatte er ihr angetan.

Ihre Augen waren blutunterlaufen, sie waren praktisch nur noch rot. Ihre Haare waren abgeschoren, trockenes Blut klebte in ihrem Gesicht. Sie sah wie ein beschissener Zombie aus, wie so einer aus den alten Romero-Filmen.

Kayley ging wieder in den Flur zurück, wo sie einige andere Türen fand, sie ging durch eine hindurch und fand sich in einem größeren Raum wieder. Dieser war es, woher die Stimmen kamen. Das war ihr sofort klar. Die Bilder an den Wänden, Tische, Sessel, eine Bühne, ein Mikro und ein Schlagzeug.

Es war eine Bar, in der sie sich nun befand.

Sie sah sich die Bilder an. Die meisten davon zeigten den Mann mit seinen Kunden, manchmal waren auch Berühmtheiten darauf zu sehen, die mit ihm tranken. Darunter waren einige Partybilder, alles lag schon Jahre zurück.

Auf einem sah sie ein sehr vertrautes Gesicht; die Haare, der Bart, selbst das T-Shirt, welches derjenige anhatte, alles davon schien aus der Nacht in ihrem Schlafzimmer zu stammen.

Kayley schluckte, biss sich auf die Unterlippe und kämpfte schwer gegen die Wut an, die gerade in ihr aufkeimte.

Sie öffnete ihren Mund für einen Schrei.

Dann kamen Tränen.

Gläser waren in der Bar aufgetürmt, und sie nahm sie und schmetterte sie gegen die Wand. Danach kamen die Flaschen dran, die dort für Shots montiert waren. Sie zog sie heraus und warf sie gegen die Bar. Anschließend ging sie zur Kasse, öffnete sie und warf sie gegen die Glasfront eines Kühlschranks, aus diesem nahm sie dann weitere Flaschen, die sie auch herumwarf.

Sie musste erneut weinen.

Kayley stolperte zu einem der Tische, setzte sich und war dabei, sich zu beruhigen. Eine halbleere Packung Zigaretten lag vor ihr, daneben Streichhölzer. Kayley wollte sich eine Zigarette nehmen, doch sie hatte zu zittrige Hände.

Dann tauchte Suse auf, schüttelte die Packung und öffnete sie. Kayley zog sich eine Zigarette heraus, zündete diese an und nahm einen langen, tiefen Zug. Sie spürte den sofortigen Rausch. Es war die erste Zigarette seit zwei Wochen, und es fühlte sich so an, als würde sie einen Joint rauchen. Ihre Knochen wurden plötzlich leicht, der Schmerz war kurzzeitig gewichen.

Zwei Wochen. 14 Tage.

»Du hast keine Facebook-Seite erstellt, oder?«, fragte Kayley.

Suse zuckte mit den Schultern. »Nein.«

»Warum nicht, Suse? Warum hast du mich hier alleine gelassen?«

Wieder zuckte ihre Freundin mit den Schultern. »Babe, so lange warst du auch wieder nicht weg. Ich habe dich angeschrieben, angerufen, war das nicht gut genug?«

»Und die Hubschrauber … die Hunde … Dad hat doch niemanden nach mir geschickt, oder hat er?«

Suse lachte. »Babe, ich habe deinen alten Herrn seit der Highschool nicht mehr gesehen.«

»Du hast mir gesagt …«

»Ich weiß, was ich dir gesagt habe«, schnappte Suse. »Ich wollte dir helfen. Ich wollte dir Hoffnung geben.«

»Ich habe gewartet«, sagte Kayley. »Die ganze Zeit wartete ich darauf, dass irgendwer kommen würde.«

»Du wusstest, dass niemand kommen würde.«

Kurz herrschte Stille zwischen den beiden.

Dann fragte Suse ruhig: »Hast du ihn getötet?«

Kayley zog stark an ihrer Zigarette und blies den Rauch aus. »Ja, ich habe ihn getötet.«

»Bist du sicher? Herrgott, du weißt, in diesen Horrorfilmen tauchen sie immer wieder auf.«

Kayley musste daran denken, wie sie das Messer in die Brust des Mannes gerammt hatte. Immer und immer wieder, das Fleisch wurde weich, als ob die Klinge Gelee daraus machte.

»Japp, bin mir sicher.«

»Ist nicht sicher genug, oder?«, fragte Suse.

»Nein«, stimmte Kayley zu. »Nicht sicher genug.«

»Weißt du, was ich tun würde?«, fragte Suse, bevor sie einen Zug nahm. »Ich würde diesen ganzen Ort in Schutt und Asche legen.«

Kayley sah sich um. Sie hatte ein ziemliches Chaos verursacht, doch ja, diesen ganzen verdammten Ort abzufackeln, schien eine gute Idee zu sein.

Doch wo sollte sie anfangen? In diesen Filmen war das etwas anderes, aber ihr fehlte die Kraft, mit einer Fackel durch das ganze Gebäude zu laufen.

»Habe ein paar Kanister Benzin im Erdgeschoss gesehen«, sagte ihr Vater. Er saß auf einem Barhocker, direkt neben Suse. »Drüben in der Ecke, da, wo die alte Glotze steht. Du musst nur den Verschluss öffnen und es überall verschütten. Dann entzünde es, und das sollte es gewesen sein. Das Feuer wird den Rest erledigen.«

Kayley sah ihren alten Mann an, dachte an ihn, wie er in jener Nacht schaufelnd auf dem Feld stand. Der aufgerollte Teppich lag neben ihm, die Rückseite seines T-Shirts war schweißgetränkt. Der Blick in seinen Augen verriet Wut und Schmerz,

Der Liebe wegen.

Ihr Herz war ebenso gebrochen. Ihre Mutter hatte ihr immer gesagt, wie sehr ihr Vater sie liebte, dass er sie alle liebte, dass er nur seine eigene Art hatte, dies zu zeigen.

Jetzt hatte er es ihr gezeigt.

Doch Kayley war nicht mehr das kleine Mädchen mit den blonden Haaren. Diese Nacht hatte sie verändert, zu etwas anderem. Etwas, das töten und danach alle Spuren geistig begraben konnte, während ihr Vater diese in dem Feld verbuddelte.

Sie erinnerte sich an ihn, wie er sie zur Seite nahm, Schmutz und Schweiß klebten dabei in seinem Gesicht. Er atmete schwer, und mit seinen großen Händen hielt er sie an den Schultern.

»Nichts ist passiert«, sagte er. »Also vergiss das alles. Du sollst es aus deinem Kopf bekommen und dich nicht mehr daran zurückerinnern. Hast du mich verstanden?«

Kayley wollte etwas sagen, doch er schüttelte sie so stark, dass sie weinen musste.

»Ich meine es ernst!«, sagte er finster. »Wir werden niemandem etwas davon erzählen. Fertig.«

Doch das war damals, und das hier war jetzt.

Kayley nahm die Zündhölzer, stand auf und ging die Treppe nach unten, wo sie eines anzündete und damit weiterging. Sie ging an der Leiche des Mannes vorbei, es war schwer, ihn nochmals anzusehen. Er war tot. Dies war kein Horrorfilm, weil Kayley in diesem Moment nicht wie eines der Mädchen in diesem Film handelte. Sie hatte diesen Scheißkerl in Scheiben geschnitten und hatte nichts Lebendes mehr von ihm zurückgelassen.

Sie fand die Kanister da, wo ihr Vater es ihr beschrieben hatte, sie öffnete ein paar davon und ließ das Benzin auf dem Holzboden auslaufen. Eine Weile stand sie da, sah sich um, dachte über all die Dinge nach, die hier in den letzten Tagen vorgefallen waren. Das Benzin lief nun vor ihre Füße. Sie roch es, süß und sauer auf einmal. Sie wich zurück und ließ das brennende Streichholz fallen, dann hastete sie zur Treppe zurück. Es dauerte nicht lange, und ein warmes Feuer breitete sich hinter ihr aus, sie setzte ihren Weg nach oben fort, riss all die Türen auf, als sie an ihnen vorbeikam.

Der Rauch drang nach oben, und Kayley riss die Eingangstür auf und stolperte nach draußen.

Die Sonne blendete sie, und sie hob die Hände vor ihr Gesicht. Sie befand sich in einer Gasse, in der es weitere Pubs und Restaurants gab, keines davon hatte geöffnet. Mullen‘s war der Name der Bar, aus der sie gekommen war. Eine Telefonnummer stand auf dem Schild. Eine Nummer aus Manchester. Sie war sich sicher, jedoch war sie sich unsicher, aus welchem Teil davon.

Kayley ging die Gasse entlang und zündete sich eine Zigarette an.

Sie griff nach ihrem Handy und sah es an.

Kurz dachte sie daran, ihren Vater anzurufen, ihm zu sagen, wo sie war, und ihn zu bitten, sie hier abzuholen. Dies war fast eine Reflexreaktion. Bei Schwierigkeiten zu Hause anrufen. Und er würde es tun. Dessen war sie sich bewusst. Er würde in seinen Land Rover springen und den ganzen Weg von Fermanagh hierher fahren, dabei die Fähre nehmen, er würde sogar schwimmen, verdammt, wenn er es müsste. Er würde für sie herkommen, sie aufsammeln und nach Hause bringen.

Doch Kayley wollte nicht nach Hause. Es gab keinen Grund für sie, zurück zur Farm zu wollen. Nichts außer einer Vergangenheit, vor der sie die letzten Jahre davongelaufen war, und dem Körper im eingerollten Teppich, der im Feld begraben lag.

Somit steckte sie ihr Handy wieder ein und ging zu Fuß weiter. Dann warf sie einen letzten Blick auf die Bar, aus deren Fenster die Flammen züngelten.

Sie humpelte weiter die Gasse entlang, hinter ihr explodierte ein Fenster.

Aus der Ferne konnte sie Sirenen hören. Hilfe war auf dem Weg.

Kayley Sands brauchte jedoch keine Hilfe mehr.

Sie riss sich zusammen und ging weiter.

 

DANKSAGUNG

Mein Dank geht an Rebecca und Sion. Danke für eure Hilfe, dies fertigstellen zu können

An Infected Books. Vielen Dank für die Chance für „Das Mädchen im Keller“. Es bedeutet mir sehr viel!

An Dave, Daniel, Rich und all die Leute der WS Fanpage. Vielen Dank für eure endlose Unterstützung und eure Ermutigung.

Und an alle, die das lesen: Danke, dass ihr mein Zeug kauft und lest, und ich hoffe, es gefällt euch!

Es wird bald weitergehen …

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